Review The Amazing Spider-Man 2

Activision liefert das alljährliche Update ihres Spidey-Games. Und wie jedes Jahr stellt sich die Frage: Ist es denn nun endlich das ultimative Spider-Man Spiel? Oder muss ich wieder zurück zu Web of Shadows (das mittlerweile ja schon 6 Jahre alt ist).

Über den üblen Ruf der Movie-Spiele müssen wir uns hier nicht mehr unterhalten. Darum das Wichtigste vorweg: The Amazing Spider-Man 2 ist kein schlechtes Spiel und ich würde es auch nicht kategorisch in die Rubrik 'Movie-Spiele' stellen. Warum? Weil es nicht bloss die Geschichte des neuen Kinofilms aufgreift, sondern diese (Achtung Wort-Spiel!) geschickt weiter-spinnt. Dieses Mal gibt es richtigen Fan-Service und viel interessantes Hintergrund-Wissen über einige der grössten Superschurken des Marvel Universums. Shocker, Rhino, Electro, Black Cat, Venom, Carnage... alles was Rang und Namen hat ist mit von der Partie. Fans wie ich wissen das zu schätzen. Und obwohl ich die erzählte Geschichte schon von unzähligen Comics und Filmen kenne, freue ich mich darüber, dass man sich an alte Werte hält und nicht krampfhaft versucht, etwas Neues in die umfassende Spidey-Welt einzuflechten. 

Das grosse Vorbild von The Amazing Spider-Man 2 ist ganz offensichtlich Rocksteadys Batman Arkham-Serie. Darum gibt es jetzt endlich ein verbessertes Combo-Kampf-System und eine Gegner-KI, die Schleichangriffe ermöglicht. Diese zwei Neuerungen, gepaart mit der neuen Schwing-Mechanik und der spannenden Story, heben das Spiel meiner Meinung nach über den Durchschnitt. Es macht einfach Laune durch die Strassenschluchten von New York zu zappen, dem Polizei-Funk zu lauschen und bei Problemen sofort einzugreifen.

Abseits der (zu kurzen) Kampagne warten eine Menge Zusatzaufgaben auf den Spieler. Feuerwehreinsätze, Verfolgungsjagden, Gang-Fights und -Schiessereien sind in New York an der Tagesordnung. Als Photo-Journalist muss Peter Parker natürlich auch wieder Bilder schiessen, um beispielsweise der Polizei wichtige Hinweise zu liefern oder diese über die korrupten Machenschaften der eigenen Leute zu informieren. Zu diesem Zweck hängen wir ab und zu den Helden-Anzug in den Schrank und gehen als Peter Parker auf die Pirsch, führen Interviews, schiessen Fotos und reden mit der Bevölkerung. Als wäre als dies nicht genug, warten - wie in einem Open-World Spiel üblich - jede Menge Sammel-Objekte darauf, gefunden zu werden. Wer sich die Mühe macht wird mit XP belohnt, diese gibt es übrigens für alle möglichen Aktionen im Spiel. Mit dieser 'Währung' kaufen wir uns neue Moves, verbessern Spideys Anzug und Spinnen-Flüssigkeit oder schalten Action-Figuren sowie Comic-Bände frei. Diese stehen dann im örtlichen 'Comic Book Stand' zur Verfügung. Der Inhaber dieses Ladens ist kein geringerer als Spider-Man Erfinder Stan Lee höchstpersönlich. Es versteht sich von selbst, dass ihr ihm immer wieder einen Besuch abstatten könnt, und er euch mit schlauen Sprüchen und hilfreichen Tipps zur Seite steht. Für Fans ein tolles Erlebnis! 

Hat sich die anfängliche Euphorie gelegt, macht sich dennoch erst einmal Ernüchterung breit. Die Grafik ist nun wirklich keine Schönheit. Licht-Effekte und Tageszeitenwechseln sind hübsch, machen aber noch lange kein Next-Gen Spiel aus. Der Rest sieht aus wie ein aufgebohrtes PS3 Spiel; hübsch aber eben in keiner Weise der neuen Konsole würdig. Grafik ist aber bekanntlich nicht alles. Die spielerischen Verbesserungen überwiegen, weswegen man über die Optik locker hinwegsehen kann und soll. The Amazing Spider-Man 2 bietet nämlich endlich wieder spielerischen Tiefgang, den ich bei letzten Teilen schmerzlich vermisst habe. Allen voran das bereits erwähnte Web-Swinging. Es braucht viel Zeit und Übung, bis man geschmeidige und punktgenaue Maneuver vollbringt. Wenn man dieses Level erreicht hat, fühlt man sich dafür wie ein kleiner Gott. Dass ich endlich mit linkem und rechtem Trigger die linke bzw. rechte Hand zum Schwingen einsetzen kann, ist eine geniale Neuerung, kann aber mitunter schwer zur erlernen sein. Man muss neu auch immer darauf achten, dass der Spinnfaden einen Ankerpunkt an einem Gebäude hat. Das bringt zu Beginn Frust mit sich (vermutlich auch der Grund, warum andere Websites das Spiel so schlecht reden). Man muss einfach ins Spiel investieren, was heutzutage fast keiner mehr tun will. Selber schuld, so verpasst ihr Nasen halt ein tolles Spiel! Ausserdem: Man erinnere sich an den ersten Tobi Spider-Man Film, wie er zu Beginn unbeholfen gegen die Wände klatschte. Genau so fühlt ihr euch zu Beginn des Spiels. Ihr müsst erst lernen mit euren neuen Fähigkeiten umzugehen. Nehmt euch die Zeit, ihr werdet es nicht bereuen!

Eine weitere Neuerung scheint direkt aus InFamous entnommen: Das Gut-Böse-System. Wenn Peter Parker in seinen Streifzügen durch New York wenig Rücksicht auf seine Umgebung nimmt, schlägt er unweigerlich 'den Weg des schwarzen Anzugs' ein. Seine Reputation wird angeschlagen, die Bürger sind ihm nicht mehr freundlich gesinnt und machen sich mit frechen Sprüchen Luft. Noch schlimmer: Die von Wilson 'Kingpin' Frisk - seines Zeichens berüchtigter Gangster-Boss und selbsternannter Retter von New York - einberufene Task-Force geht dann mit aller härte gegen Spider-Man vor. Die Task Force partoulliert die Strassen New Yorks zu jeder Tages- und Nachtzeit und sorgt für 'Ruhe und Ordnung'. Folglich sollte man darauf achten seinen Heldenstatus nicht zu verlieren, ansonsten wird das Spiel um einiges schwerer. Um seinen Status wieder zu verbessern, erledigt man Side-Quests und hilft Bürgern in Not. Das örtliche Fernsehen strahlt diese Heldentaten im TV aus und somit wendet sich das Blatt schon bald wieder zum Guten.

Eine kleine Katastrophe gibt es dennoch: Die Kamera. Ich bin normalerweise ein Mensch, der mit der einen oder anderen schlechten Kamera-Einstellung leben kann. Hier sind Feinde jedoch meist konstant ausserhalb des Sichtfelds, weil die Kamera so nah am Helden klebt. In einem Kampf hilft in solchen Fällen nur der Spinnen-Sinn und gute Reflexe. Nicht blockbare Angriffe (auch von ausserhalb des Sichtbereichs) werden ähnlich wie in Arkham-City mit einem Blitz-Symbol über Spideys Kopf angezeigt. Dann muss man ziemlich schnell den Konter-Button drücken, sonst sieht man Sterne! Dieses System hindert mich daran, wild auf die Knöpfe zu hämmern. Timing is the key und genau das macht die Scharmützel so spassig. Gut geklaut ist eben doch besser als schlecht selbst erfunden!

Fazit

Als Fan des Spinnenmanns habe ich bis jetzt jedes Spider-Man Game gespielt. Seit Web of Shadows war keine Steigerung mehr zu beobachten. Nun haben die Entwickler das Gameplay auf ein Level gehoben, welches sich nicht mehr vom augenscheinlichen Vorbild 'Batman: Arkham City' verstecken muss. Trotzdem kommt The Amazing Spider-Man 2 nicht an dieses Vorbild heran. Es wirkt einfach zu unfertig und wenig poliert. Dafür kann aber Beenox herzlich wenig, denn die Jungs sind grosse Fans von Spidey und das merkt man. Die Liebe steckt in vielen witzigen Details und Hintergrund-Infos, die im Spiel versteckt sind. Der Auftritt von Stan Lee aka Comic-Book-Stan(d) ist nur die Spitze des Eisbergs. Man hat auf die Fans gehört, die Schwing-Mechanik verbessert und Stealth-Elemente eingebaut. Hätte das Spiel nicht unbedingt zum Kinofilm-Start erscheinen müssen, wäre es möglicherweise das geworden, was wir uns alle gewünscht haben. So ist es halt 'nur' ein Roh-Diamant, der mit den nächsten zwei, drei Teilen wohl weiter geschliffen wird, so dass wir dann ca. 2016 das ultimative Spider-Man Spiel geniessen dürfen. Es gibt noch Luft nach oben. Trotzdem darf ich The Amazing Spider-Man 2 jedem Fan ans Herz legen. Hört nicht auf die Internet-Trolle, vertraut eurem Bauch-Gefühl!

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Game

The Amazing Spider-Man 2

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Spieler offline
1
Release
04/2014
Format
PAL
Genre
Action
Studio
Beenox
Publisher
Activision-Blizzard
Offizielle Webseite
Click to visit

Autor

Sascha Böhme

(G)net Score

74

 

Graphics
65
Sound
72
Gameplay
85
Umfang
70

(G)community Score

0

 

Graphics
0
Sound
0
Gameplay
0
Umfang
0

Positiv


  • Schwing-Mechanik
  • Stealth-Elemente
  • Combo-Kampfsystem
  • Gut/Böse System
  • viele bekannte Superschurken

Negativ


  • schlechte Kameraführung
  • unwürdige Grafik
  • kurze Kampagne

Altersfreigabe


PEGI-16

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