Review Lost Planet 3

Capcom lässt uns erneut auf E.D.N. III nach alternativer Energie suchen. Kann der dritte Lost Planet Teil wieder zum ersten Teil aufschliessen?

Als wir 2006 Capcom's Lost Planet: Extreme Condition das erste mal starteten waren wir sofort fasziniert vom ganzen Setting des entfernten Eisplaneten und dem Überlebenskampf gegen die furchteinflössenden Aliens mit Hilfe der Mechs und speziellen Space-Knarren. Der erste Teil war grafisch und spielerisch damals ein klares Highlight und hatte diverse Fans um sich gescharrt. Der zweite Teil, Lost Planet 2, mit seinen Wüsten- und Dschungelwelten, konnte weder die Fans noch diejenigen, die die Serie zum ersten Mal spielten nicht ganz überzeugen, einzig der Multiplayer hat ein paar Tage Spass gemacht. Doch dann war die Luft raus und man widmete sich Besserem.
 
Jetzt versucht Capcom die Franchise nochmals neu zu starten und hat begibt sich wieder zu seinen Wurzeln und man möchte eine spannende Science-Fiction Story à la Aliens erzählen mit einer Prise Dead Space und Star Ship Troopers. Dies tönt gut? 
 
 
NEVEC, die grosse Corporation, ähnlich der Weyland Enterprises aus Aliens, macht sich auf und will einen weitentfernten fremden Planeten kolonisieren und damit als neue Energiequelle entdecken, damit man das Energieproblem der Erde lösen kann. Das eine so grosse Corporation noch anderes im Sinne hat, als sich nur zum Wohle der Meinschheit auf so ein teures und riskantes Unterfangen einzulassen, ist ja wohl für jeden von Anfang an klar. Dies haben sich auch die Scriptschreiber gedacht, denn diesen Spoiler wird schon nach 2-3 Minuten verblasen. Aber egal, denken wir uns, denn wir erwarten viel grössere und spannendere Wendungen, die sicher im Laufe des Spiels verraten werden oder? 
 
Der dritte Teil der Lost Planet Serie erzählt die Vorgeschichte, welche zu den Events des ersten und zweiten Teils geführt hat, denn wir finden uns wieder auf dem Planeten E.D.N. III, dem bekannten Eisplaneten, auf dem man von den angriffslustigen Akriden attackiert wird und wo natürlich die wertvolle Thermalenergie, kurz T-ENG, in Hülle und Fülle vorhanden ist. Die NEVEC Corporation hat sich im Eis eine Basis gebaut, wo Kolonisten der Erde diesen Stoff abbauen und zur Erde transportieren können.
 
Einer dieser Kolonisten ist Jim Peyton, der sich, fernab von Frau und Kind, auf nach E.D.N. III gemacht hat, um mit seinem geliebten Mech-Roboter sich hier eine goldene Nase verdienen zu können. Seinen Mech liebt er über alles und lässt niemanden ran an das Teil und falls es doch jemand versucht, wird der schon mal angefaucht, wie in einem Westernfilm in dem der Cowboy Jim schnell mal jemanden niederknallt, der sich seinem Gaul unerlaubt nähert. 
 
So, Jim der Space Cowboy, der übrigens glatt als Double für Nicolas Cage durchgehen könnte, unterwegs auf seinem Metall-Gaul, stapft durch die Eiswüsten von E.D.N. III und knallt sich dabei beste Space-Country Musik hinter die Ohren und kämpft dabei gegen nervöse Spinnenviecher, die ihn zum Fressen gern haben und all das nur, damit er Thermalenergie abbauen kann und mit der Kohle Frau und Kind füttern kann. Ein ganz normaler Job also. Immer wieder das Gleiche und auf die Dauer langweilig. Genau das ist Lost Planet 3. 
 
 
Ok ok, grafisch der Lost Planet Reboot gelegentliche Hochs, sind die Horizonte und auch Wettereffekte schon ziemlich spektakulär. Gepaart mit dem sensationellen Country Soundtrack, begleitet vom Gekreische der Akriden und dem Klirren der Kälte, macht dieses Paket schon ziemlich auf Stimmung. Speziell wenn Ihr zu Fuss unterwegs seid, nicht mehr wisst wo vorne und hinten ist und dann plötzlich in der Ferne das Country-Gedüdel hört und Euch dann in den vorgewärmten Mech setzt, kommt ein Gefühl von Heimat auf. Passt auch, falls Ihr euch zu weit von eurem Mech entfernt deaktiviert sich die Minikarte auf eurem HUD und ihr seid alleine. Wirklich alleine. Der Mech ist sozusagen euer Partner, euer Zuhause. Allgemein vermittelt Lost Planet 3 kein Orientierungsgefühl, ihr habt keine Ahnung wo ihr seid, ausser man kann sich grad an einem Gewitter oder sonst am Horizont orientieren. Interessant ist, dass es Jim im Anzug ziemlich warm hat, doch er stampft ohne Maske oder Mütze, entgegen des netten Ratschlags seiner Frau per Videobotschaft, im Schnee herum oder befreit seinen geliebten Mech von Schnee und Eis und trotzdem erkältet er sich nie... nicht mal ein Niessen oder ne rote Nase. Unfassbar oder? 
 
Ihr habts gehört, in Lost Planet 3 seid ihr häufig alleine unterwegs, durchreitet mit Eurem Mech emotionale Höhen und Tiefen, durch eine von Kälte und Aliens gezeichnete Umgebung, auf der Jagd nach dem orangefarbenen Gold. 
 
Das Spiel wurde übrigens komplett ins Deutsche übersetzt, doch genau hier liegt eines der vielen Probleme die wir mit Lost Planet 3 haben. Die deutsche Synchro wirkt ziemlich hölzern, Stimmung mag nicht wirklich aufkommen, da jede Figur massiv übertrieben agiert und auch so spricht. Etwas weniger ist manchmal mehr und dies hätte genau für Jim gut getan. Jim kommt relativ emotionslos daher, auch die grössten Akriden-Angriffe lassen unseren Helden kalt. Irgendwie schon fast grotesk, aber dann auch wieder ziemlich unterhaltsam, fast schon lustig. Der typische Ultra-Söldner irgendwie, der sich auch von 200 Arkiden, unabhängig von Grösse und Angstfaktor, nicht beeindrucken lässt.
 
Von der Anforderung her dürfte Lost Planet 3 keinen Spieler aus der Fassung bringen, denn schnell fallen dem Gamer die orangefarbenen Punkte an den gegnerischen Viechern auf, auf die zum Teil sogar mit Hinweispfeilen hingewiesen wird, dass man auf diese Dingern ballern soll um das Spinnenvieh in die ewigen Jagdgründe zu schicken aber gleichzeitig noch mit den erkämpften T-ENG's noch genügend Währung verdienen kann um das wohlverdiente Abendmahl oder Versicherung bezahlen zu können. Keine Angst, das Gameplay ist nicht schlecht und auch nicht langweilig, doch leider auch nicht sensationell und auch nicht wirklich neu oder spannend... eher irgendwo im Mittelfeld anzusiedeln. 
 
Die lieben Game-Designer hätten hier halt noch ein wenig mehr Zeit und Ideen reinstecken sollen um das Spiel motivierender zu machen als es ist, denn eigentlich hätten wir am liebsten wieder den ersten Teil in unsere Konsole eingelegt. Spass gemacht, aus Gameplay-Sicht, hat aber sicherlich den konstanten Kampf gegen die Alienhorden, die ziemlich actionreich inszeniert sind und auch die ganz nett, teils sogar spektakulär in Szene gesetzten Kampfschauplätze. Davon alleine leben kann Lost Planet 3 leider nicht, denn es ist nicht quer durchs Band konsequent umgesetzt, hätte man da doch nur ein paar Monate mehr Zeit investiert, dann hätte das Game nämlich das Zeug zum Hit. Im jetzigen Zustand ist das grösste Problem von Lost Planet 3 seine Identität zu finden, hat es doch soviele Neuerungen, denn neben dem Third Person-Shooter Teil hat es auch diverse Quicktime Events mit dem Mechwarrior und vor allem die Horror-Sequenzen, die man zu Fuss mit Jim durchläuft, zeigen eigentlich, dass Lost Planet am liebsten eine Mischung aus Dead Space mit Mechs und einem Touch Resident Evil sein möchte. Menschenleere Basis, wie in Aliens oder Dead Space kombiniert mit flackernden Lichtern und abgrundschwarzer Umgebung, mit angsteinflössenden Geräuschen, die von überall herzukommen scheinen. 
 
Genau hier haben die Entwickler eigentlich den richtigen Weg eingeschlagen, doch richtig gruselig wird es leider nicht wirklich. Oder viellicht zum Glück? Ich denke hier kommt es auf die Präferenzen des Spielers an. Was sicher ist, dass in den dunklen Räumen und Höhlen sich irgendwo immer ein riesiges Alien-Viech oder viele kleine, mit orangen Schwachpunkten, die es abzuballern gilt, versteckt und wartet, bis ihr vorbeiläuft.
 
Falls ihr noch vor habt, Lost Planet 3 zu kaufen oder zu spielen, empfehlen wir Euch den Schwierigkeitsgrad höher einzustellen, denn wenn ihr wirklich um Euer Leben kämpfen müsst, dann könnte die Rechnung von Capcom rund um das ganze Action/Sci-Fi/Horror Spektakel aufgehen und einen Sinn ergeben, denn sonst ist es einfach ein Action-Knaller ohne grosse Anforderungen, in welchen der durchschnittliche Zocker leider nicht mehr als ein paar Stunden motiviert. Einzig der Multiplayer kann hier noch ein paar Stunden rausholen, dieser ist nämlich ziemlich unterhaltend umgesetzt. 
 
 
Fans der Serie haben den Titel sowieso schon im Regal, wer den verloreren Planet jedoch noch nicht gespielt hat, sollte sich Lost Planet 3 trotz allem nochmal genau anschauen, im Komplett-Paket kein Einheitsbrei und im Ganzen eine gut inszenierte Space-Cowboy-Arie mit Cowboy Jim und seinem treuen Mech-Begleiter, gepaart mit vielen grusligen Aliens, guter Musikuntermalung und netter Atmosphäre, sowie dem gelungenen Multiplayer-Modus macht eigentlich Lust auf mehr. Vielleicht schafft Capcom dies mit Teil 4 und bringt einen Winner der ein Gold Rating wirklich verdient.

Fazit

Ok, ich gebs zu: Ich bin ein Fan der Serie, fand Teil 1 super, Teil 2 mittelprächtig und Teil 3 irgendwo in der Mitte, Lost Planet 3 versucht alles andere zu sein, doch ist dabei leider nicht konsequent, dadurch bietet es zwar Abwechslung, doch mit weniger Tiefgang als wir dies noch vom ersten Teil her kannten. Potential vorhanden aber nicht ausgeschöpft. Wie Jim es im Spiel seiner Frau zu erklären versuchte: "Spannend, packend und surreal, doch leider zur Routine geworden". Ich persönlich glaube es geht in die richtige Richtung, auch wenn ich in Sachen Grafikstil gerne wieder mehr Japan drin hätte, denn statt den Titel selber zu entwickeln, haben sie die Entwicklung des dritten Teils an Spark Unlimited übergeben und das sieht man auch deutlich. Capcom hat eine gelungene Serie geschaffen, hoffen wir dass sie es im nächsten Teil schaffen, mehr Tiefgang reinzubringen. Wer gerne wieder einmal eine Abwechslung aus dem Einheitsbrei sucht, der kann Lost Planet 3 mal probespielen oder das Demo downloaden und sich eine eigene Meinung bilden. Alle anderen können eigentlich gleich auf den vierten Teil warten.

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Game

Lost Planet 3

Lost Planet 3


Spieler offline
1
Spieler online
16
Release
08/2013
Format
PAL
Genre
Action-Adventure
Studio
Spark Unlimited
Publisher
Capcom
Offizielle Webseite
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Autor

Thomas Landolt

(G)net Score

71

 

Graphics
72
Sound
75
Gameplay
74
Umfang
72

(G)community Score

0

 

Graphics
0
Sound
0
Gameplay
0
Umfang
0

Positiv


  • nette Effekte
  • Umgebung sieht hammer aus
  • Soundtrack ist mal was neues

Negativ


  • Horror, aber doch nicht so
  • teilweise eintönig
  • keine Langzeitmotivation

Altersfreigabe


PEGI-16

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