Review Aliens: Colonial Marines

Aliens: Colonial Marines hat eine bewegende Laufbahn hinter sich. Bereits 2001 wollte Fox Interactive und EA ein von Check Six Games entwickeltes Spiel mit dem Namen 'Colonial Marines' für die Playstation 2 veröffentlichen. Daraus wurde dann aber wegen Lizenzstreitereien nichts. 2006 kündigte SEGA an, das man die Rechte der Aliens Franchise von Fox gekauft habe und man zusammen mit Gearbox ein komplett neues 'Colonial Marines' Spiel entwickelt würde. Nochmal 7 Jahre später ist es dann endlich soweit: Das Spiel ist da und wir sagen euch, ob sich die lange Wartezeit ausgezahlt hat.

Ich bin ein riesen Aliens-Fan. Als Alien-Junkie und Gamer hat man es aber nicht leicht. Es gibt zwar bereits über 30 Spiele aus dem Alien-Universum, doch nur ein paar wenige davon sind auch wirklich gut, beziehungsweise spielenswert (AvP 99, Infestation NDS). Sowas wie ein reinrassiges nonplus-ultra Aliens-Spiel gibt es bis heute nicht. Darum waren meine Erwartungen auch extrem hoch was Aliens: Colonial Marines betrifft. Als direkter Nachfolger zum zweiten Aliens-Streifen hat das Spiel (auf Papier) alles, was ein gutes Alien-Spiel ausmacht: Original Settings wie die Sulaco, Hadley's Hope auf LV426 oder das Engineer-Schiff mit seiner tödlichen Ladung. Ausserdem einen CoOp-Modus für bis zu 4 Spieler und einen Multiplayer-Modus mit spielbaren Xenomorphs. 

 

 
Wie ihr in diesem Video seht, war meine Vorfreude wirklich immens. Das ist immer ein Problem, denn wenn das Spiel die hohen Erwartungen nicht erfüllt, ist die Enttäuschung eben auch immens hoch und ich muss zugeben, dass die ersten Meter im Spiel eine Ernüchterung für mich darstellten. Das lag vor allem an der durchschnittlichen Grafik. Die Videos sahen im Vorfeld doch einiges hübscher aus. Grafik ist aber bekanntlich nicht alles. Darum hab ich erstmal ein Auge zugedrückt. Wenn die Spielbarkeit stimmt und das Spiel flüssig läuft, ist das doch wichtiger als knackscharfe Texturen oder gutes Antialiasing, oder? Und tatsächlich; hatte ich mich erstmal mit der schwachen Grafik arrangiert, kam auch sofort Stimmung und somit Spass auf. Die UE3 leistet gute Arbeit, die Soundkulisse ist richtig gut! Eigentlich müsste man die Musik im Optionsmenü ausschalten, denn die Umgebungsgeräusche alleine machen richtig Bock und geben gut Gänsehaut. Die Musik ist aber keinesfalls schlecht. Die Melodien könnten glatt aus dem Film stammen.
 
Leider ist der Auftritt der ersten Aliens überraschenderweise ziemlich fad. In den Filmen war das Erscheinen des ersten Xenomorphs immer ein Wahnsinnsereignis. Man hat sich des Öfteren gefragt, ob die ganze Besatzung von den Bestien sofort am Anfang ausgelöscht wird. Dieses Gefühl fehlt in Colonial Marines. Es gibt natürlich viel mehr Aliens als in den Filmen und es wäre unnötig, für jeden Feind einen Riesenauftritt zu inszenieren, aber die KI-Teamkollegen sollten wenigstens so tun, als wären sie in Lebensgefahr.
 
In Aliens: Colonial Marines sollt ihr die Geschehnisse aus dem zweiten Teil des Films aufklären und Ripley und Hicks aufspüren. Dazu begebt ihr euch mit eurem Raumschiff in den Orbit von LV426. Dort kommt es zum Konflikt mit Weyland-Truppen die, wie wir alle wissen, selbst Experimente mit den Xenos durchführen. Natürlich können wir das nicht gut heissen und so kämpfen wir nicht nur gegen garstige Aliens, sondern auch gegen gesichtslose Soldaten. Zum Glück kommen diese Scharmützel nicht allzu häufig vor, denn wer will in einem Aliens-Spiel schon auf einfache Soldaten schiessen? Dazu kommt noch, dass sich die KI der menschlichen Gegner auf unterstem Niveau befindet. Nicht selten kam es vor, dass mich Gegner komplett ignorierten. Da sind die Krabbelviecher schon besser. Sie greifen meist in Gruppen und aus allen Richtungen an, ziehen sich auch mal zurück und warten ab. Da macht sich schnell Panik und Chaos breit, eben genau so, wie wir es aus den Filmen kennen und mögen.
 

Mission 2: Hier kämpfen wir gegen Truppen der Weyland-Yutani Corporation
 
Wer die ersten beiden, schwachen Missionen hinter sich bringt und die Lust noch nicht verloren hat, wird belohnt. Ab Mission 3 wird alles besser und wir bekommen es von da an fast nur noch mit Xenos zu tun. Dann wird das Spiel sogar richtig gut. Wir besuchen das Med-Lab, erfahren mehr über Newts Familie, machen einen Abstecher in das abgestürzte Engineer-Schiff, besteigen einen Power-Loader, stellen Geschütztürme auf und halten uns Face-Hugger mittels Quick-Time Events vom Hals. Unser Colonial Marine erhält für jede Aktion Erfahrungspunkte, die wir in Upgrades für Waffen und Ausrüstung investieren. So wird unser Arsenal immer gefährlicher und die Xenos immer ungefährlicher. Das ist leider auch ein Nachteil, denn mit zunehmend besserer Ausrüstung stellen die Aliens keine grosse Bedrohung mehr dar. Zumindest die Standard-Aliens, sie werden schlicht Kanonenfutter. Und das will irgendwie nicht so recht in mein Fan-Hirn. Zum Glück gibt es unter den Xenos verschiedene Arten wie beispielsweise die 'Sniper', die mich aus der Ferne mit Säure bespucken. Oder die extra grossen Brocken, sogenannte Bulls. Ähnlich wie der Nemesis aus Resident Evil 2 tauchen diese Biester immer wieder mal auf und zwingen mich zur Flucht. Gut, wenn man einen Power-Loader in der Nähe stehen hat. Mit dem Teil hat man unter Umständen eine kleine Chance!
 
Mission 4 ist ein Highlight (Achtung, kleiner Spoiler): Ganz ohne Waffen, Taschenlampe oder Funkkontakt muss ich mich aus der Kanalisation retten. Dort unten wimmelt es nur so von den sogenannten 'Zombie-Aliens'. Die sind blind und reagieren nur auf Geräusche, was mich dazu zwingt, ganz langsam und behutsam vorzugehen. Panik pur! Ich schleiche also an den erstarrten Viechern vorbei und hoffe, nicht zu laut zu sein. Bin ich zu laut, erwachen sie zum Leben, rennen auf mich zu und explodieren in unmittelbarer Nähe in einer riesigen Säurewolke. Game Over, man, Game Over! Situationen wie diese sind extrem stimmungsvoll und gehören zu den grossen Highlights im Spiel. Schade gibt es davon nur wenige.
 
Die ersten 10 Minuten von Aliens: Colonial Marines...
 
Aliens: Colonial Marines bietet natürlich auch verschiedene Multiplayer-Modi. Zum Standard zählen die Team-Deathmatch und Extermination Varianten. Ein Team von 5 Aliens tritt gegen 5 Marines an. Gewählt wird aus 4 Klassen, jede mit eigenen Vor- und Nachteilen. Dabei spielen sich die beiden Rassen komplett unterschiedlich. Als Alien muss ich mich in dunklen Ecken verstecken und für Marines unzugängliche Lüftungssysteme nutzen und mich von dort aus wie ein Ninja auf nichtsahnende Marines stürzen. Als Alien ist man flink und kann an Decke und Wänden laufen und verfügt über eine immense Sprungkraft. Als verletzlicher Marine dagegen muss man sich auf seine Ausrüstung und seine Waffensysteme verlassen. Und auf Teamwork. Einzelne Marines sind leichte Beute, in der Gruppe aber sind sie fast unschlagbar. Da empfielt es sich als Alien gut zu überlegen, wenn und wo man zuschlägt. Das spielt sich erfrischend anders als alles andere im Online-Multiplayer Sektor, braucht allerdings auch einiges an Übung und Frustresistenz. Wer direkt von CoD zu Colonial Marines wechselt und dort dieselbe Aggression an den Tag legt, wird wohl oder übel in einen Hammer laufen. Man muss schon gewillt sein, etwas Neues zu lernen und entsprechend behutsam vorgehen. Dann macht auch der Online-Multiplayer von Aliens: Colonial Marines sehr viel Spass. 

Fazit

Ist Aliens: Colonial Marines das Überspiel, das sich alle Fans gewünscht haben? Nein. Es fehlt einfach am vielzitierten Feinschliff. Die Grafik ist mit ihren subtilen Lichteffekten zwar hübsch, aber technisch auf keinen Fall auf dem aktuellen Stand. Speziell die abgehackten Animationen sind enttäuschend. Dafür stimmt das Ambiente. Gearbox Software sind grosse Fans der Aliens-Filme und das merkt man z.B. am hohen Detailgrad der Umgebungen, der Authentizität der Schauplätze und der tollen Soundkulisse. Die Schiessereien sind dagegen meist langweilig und uninspiriert, die KI der Gegner lächerlich. Das wird besonders deutlich, wenn man gegen Soldaten der Weyland-Yutani Corporation kämpft. Dann verkommt Aliens: Colonial Marines zum 08/15 Shooter. Doch es gibt immer wieder ruhige, spannende Momente, wo man mit Motion-Tracker und gezücktem Pulse-Rifle durch dunkle Gänge schleicht und total angespannt ist. Diese Passagen sind furchteinflössend und treffen genau meinen Geschmack. Trotz aller Kritikpunkte haben speziell Aliens-Fans wie ich viel Spass mit den Colonial Marines.

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Game

Aliens: Colonial Marines

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Spieler offline
1
Release
11/2013
Format
PAL
Genre
FPS
Studio
Gearbox Software
Publisher
Sega
Offizielle Webseite
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Autor

Sascha Böhme

(G)net Score

61

 

Graphics
72
Sound
86
Gameplay
70
Umfang
74

(G)community Score

0

 

Graphics
0
Sound
0
Gameplay
0
Umfang
0

Positiv


  • Atmosphäre
  • Steuerung
  • flüssige Grafik
  • CoOp Modus

Negativ


  • Grafikqualität anno 2006
  • Animationen
  • Hit-Detection

Altersfreigabe


PEGI-18

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