Special PlayStation Vita

Der Handheldmarkt ist zurzeit stark umkämpft. Nintendo konnte zuletzt seine Leaderposition mit dem 3DS nach einem schlechten Start erneut festigen. iOS und Android Spiele setzen die Konkurrenz mit günstigen oder gar kostenlosen Spielen gehörig unter Druck. Doch Sony erhebt nach wie vor selbst Ansprüche auf den lukrativen Handheldmarkt, darum lancierte der japanische Grosskonzern Ende Februar den Nachfolger der PSP, die brandneue PS Vita. Ob das neue System den Vorschusslorbeeren und dem saftigen Preis gerecht werden kann? Mehr dazu in unserem Special.

Der grösste Unterschied zur besagten Konkurrenz liegt sicher im Design. Das Gerät wirkt trotz der Verarbeitung von viel Plastik hochwertig und edel. Herzstück der Vita ist das fünf Zoll grosse OLED Display, welches hervorragende Bildqualität liefert und sogar modernen Smartphones Paroli bieten kann. Damit das System nicht allzu klobig wird, sind die Facebuttons, die zwei Analogsticks und das Steuerkreuz eher klein gehalten und nah beieinander platziert. Dennoch liegt die Vita erstaunlich gut in der Hand und die Steuerung der Spiele funktioniert prächtig. Ein weiterer wesentlicher Gegensatz zum Vorgängermodell sind die beiden Touchpads der Vita. Paradoxerweise hat man sich dazu entschieden, neben dem Touchscreen an der Vorderseite auch einen an der Rückseite des Geräts zu platzieren. Ob dieser Schritt Sinn macht, kann nur durch qualitativ sinnvolle Software entschieden werden. Die Reaktionen der Touchpads sind akkurat und die Erkennung funktioniert solide. Leider variiert das Ergebnis je nach Spiel oder Applikation.

Wem diese Eingabemöglichkeiten noch nicht genügen sollten, dem bietet die Vita auch Bewegungssensoren an. So kann man durch Neigungen des Handhelds die Geschehnisse auf dem Bildschirm beeinflussen. Der einzig nennenswerte Kritikpunkt am Design ist der Hochglanzfinish der Frontseite, dadurch wird das Sonnenlicht extrem stark reflektiert und Schmutz und Fingerabdrücke machen sich sofort bemerkbar.

Die Vita wird in zwei Versionen angeboten. Zum einen ist ein Wi-Fi Modell für 289.- CHF erhältlich und zum anderen das Flaggschiff, welches auch 3G-Signale empfangen und senden kann. Dieses Extra schlägt sich natürlich auch im Preis nieder, welcher stolze 368.- CHF beträgt. Hinzu kommt ein allfälliger Datenplan, denn ohne Anbieter des 3G Netzes tut sich nämlich gar nichts - also eine sehr kostspielige Lösung. Doch ob sich der finanzielle Aufwand lohnt, ist eher fraglich. Natürlich ist man jederzeit online und kann so das volle Potential aus dem System schöpfen, doch man muss nicht nur beim Geldbeutel Abstriche in Kauf nehmen.



Die Akkulebensdauer ist logischerweise mit eingeschaltetem 3G kürzer, doch der tatsächliche Effekt ist haarsträubend: Während das Wi-Fi Modell ca. fünf Stunden Strom liefert, schafft es das 3G Modell nur gerade mal drei Stunden ohne den Saft aus der Steckdose, was nun wirklich an der untersten Grenze des Erträglichen liegt.

..heute geht es natürlich schlicht nicht mehr ohne! Die Rede ist von der Kamera. Die Vita hat gleich zwei davon, wie bei den Touchpads eine vorne und eine hinten. Die Qualität der geschossenen Bilder vermag aber leider nicht zu überzeugen und hinkt den Schnappschüssen des Nintendo 3DS merklich nach. Für „Augmented Reality“ Spiele wie Little Deviants und Apps wie Skype oder Twitter reicht die Kamera trotzdem.

Der gravierendste Schwachpunkt der neuen Sony Konsole ist leider gleichzeitig der Grösste. Das gesamte User Interface der Vita ist sehr gewöhnungsbedürftig und verschachtelt. Da wünscht man sich die einfache Handhabung der PSP-Software schnell zurück. Jedes Menü, Applikation oder Game wird in einer Art Blase angezeigt, tippt man drauf wird man in ein neues Fenster verfrachtet, welches zum PSN-Store verlinkt, Freundesaktivitäten anzeigt oder die eigentliche App oder das Spiel gestartet werden kann. Mir ist diese Menüführung schlicht zu umständlich aber das ist wohl Geschmackssache.

Doch alles Loben und Zetern am System nützt nichts, denn der wahre Wert jeder Konsole sind natürlich die Spiele. Der starke Launchkatalog hat einige Hochkaräter in petto, doch ob dieser Qualitätsstandart eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Die Spiele selbst werden nicht mehr auf UMDs ausgeliefert sondern kommen via Flash Karte auf den Bildschirm. Alternativ können beinahe alle Spiele auch aus dem Store geladen werden.

Ein weiteres Highlight der Vita ist das Crossplatform Gaming, in dem Spiele, welche auf der Vita bzw. der PlayStation 3 gekauft wurden, auf der anderen Konsole kostenlos heruntergeladen werden können. Sony macht hier einen Schritt in die richtige Richtung und ich hoffe, dass andere Hersteller sich dieses System zum Vorbild nehmen. Auch PSP Besitzer müssen ihre Sammlung nicht der Heilsarmee vermachen; die Vita ist nämlich abwärtskompatibel. Allerdings wurde in der neuen Konsole kein Laufwerk mehr verbaut, da schafft die App UMD Passport Abhilfe. Dort kann man seine bisherigen Spiele registrieren und erhält so Zugang zu den Lieblingsgames auf de Vita. Leider funktioniert dieser Service nicht ganz kostenlos und es werden Gebühren bis zu 20.- CHF fällig.

Fazit

Alles in allem bietet die Vita ein enormes Potential: Die Hardware kann überzeugen sowie auch das Software-Lineup. Doch wenn Sony den Preis des Systems nicht konkurrenzfähiger gestalten kann, sehe ich eine ähnliche Zukunft wie die der ursprünglichen PSP. Die Vita wird in einem Nischenmarkt geliebt, wird aber den grossen Durchbruch wohl nicht schaffen. Das wäre schade, denn ich bin mir sicher, mit innovativen Titeln und der herausragenden Technik wäre vieles möglich. Es bleibt also die Hoffnung, dass Sony etwas unternimmt, um dem entgegenzuwirken.

Kommentar

Sascha Böhme
16:13 / 29.02.2012

Die PS Vita ist ein tolles Gerät mit viel Potential. Ich hätte mir ein etwas ergonomischeres Design gewünscht, denn ich mit meinen grossen Händen habe nach einer langen Session schon fast einen Krampf in den Händen. Schliesslich sollte man die Vita mit den Fingern nicht am Rearpanel berühren, da sie sonst Eingabekommandos ans Spiel schickt. Gerade beim Snipen in Uncharted ärgert es mich, dass man das Rearpanel nicht komplett deaktivieren kann. Meine langen Finger scheinen immer wieder einen Ruheplatz auf dem Touchpanel zu suchen. Über jeden Zweifel erhaben ist das OLED Display. Tiefes Schwarz und nahezu null Verwischen, so muss das sein! Als Shooter-Fan begrüsse ich ausserdem die beiden Analog-Sticks (endlich!). Fummelig hingegen wirds, wenn man das Spiel-Modul wechseln muss. Wer keine langen Fingernägel hat wird Mühe haben, die Modulschacht-Abdeckung zu öffnen.

Eine absolute Frechheit finde ich hingegen die Speicherkarten-Philosophie von Sony. Die meisten Spiele benötigen eine Memory-Card damit sie funktionieren. Diese ist aber nicht dabei und muss separat zu horrendem Preis gekauft werden. Zudem sind es keine genormten Karten, sondern wieder so ein Sony-Spezial-Dingens. Das muss heutzutage nicht mehr sein.

Über den Erfolg der VITA entscheidet aber schlussendlich das Spielesortiment. Was wir nicht brauchen sind abgespeckte Versionen von Heimkonsolen-Spielen. Wir wollen neue Entwicklungen, die das Potential des System ausschöpfen. Ich bin aber sicher, dass Sony nicht den gleichen Fehler machen wird, wie bei der PSP bzw. PSP Go.

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