Review Strange Brigade

Entwickler Rebellion dürfte vielen von euch für ihre Sniper-Elite- und Zombie Army-Spiele bekannt sein. Da ist es auch nicht überraschend, dass sich ihr neuestes Werk wie eine Art "Zombie Army-Spiel in neuem Skin" anfühlt. Auch in Strange Brigade kämpfen vier Spieler gemeinsam gegen Horden von Untoten, lösen Rätsel und besiegen Bosse.

Strange Brigade spielt im Ägypten der 1930er Jahre. Professor Archimedes de Quincy, Gracie Braithwaite, Frank Fairburne und Nalangu Rushida sind Mitglieder der heldenhaften "Strange Brigade", einer Gruppierung, die übernatürlichen Phänomenen nach geht und archäologische Schätze findet, ganz im Stil eines Indiana Jones. Der Trupp wird angeheuert, um das Verschwinden eines Expeditions-Teams in Ägypten aufzuklären und es dauert nicht lange bis unsere Helden entdecken, dass hier etwas ziemlich schief gelaufen ist. Eine übernatürliche Kraft - die Hexenkönigin Seteki - wurde auf die Welt losgelassen. Seteki ist aber nicht die einzige Bedrohung, die aus ihrem Schlummer erwacht ist. Sie hat eine Armee loyaler Bestien an ihrer Seite, darunter stöhnende Mumien, feuerspuckende Meuchelmörder, gepanzerte Minotauren, Riesenskorpione und noch viel Schlimmeres. Nun liegt es an unseren vier Protagonisten in dunkle Höhlen, verlassene Dörfer, verfallene Ruinen und üppige Dschungel zu reisen, um dem teuflischen Treiben ein Ende zu setzen und die Welt vor dem bevorstehenden Untergang zu bewahren. Immer mit dabei: Eine gute Prise trockener, britischer Humor, der manchmal zündet und manchmal eben auch nicht. 

Strange Brigade bietet eine Kampagne, einen Horde- und Score-Attack-Modus. Der Story-Modus dürfte gut und gern 10 Stunden lang unterhalten und kann komplett zu viert (online) gespielt werden. Im Horde-Modus treten wir wie gehabt gegen immer grössere, knackigere Gegner-Wellen an, verdienen Gold, öffnen geheime Türen und finden Blaupausen für bessere Bewaffnung. Im Score-Attack Modus sollen wir schliesslich durch einen Level navigieren ohne zu sterben und dabei noch möglichst viele "grazile" Kills durch Headshots oder mittels den vielen aufgestellten Fallen erzielen.

Bevor wir jedoch in irgend einem dieser Modi starten gilt es unseren Charakter, die Bewaffnung und Ausrüstung zu bestimmen. Die Auswahl umfasst eine Primärwaffe (Gewehre, MGs, Schrotflinten), eine Zweitwaffe (Revolver, Pistolen), Items (Granaten, Dynamitstangen, Landminen) und eine Amulettkraft (Blitzeangriffe, Feuerwellen, etc). Letztere ist je nach gewähltem Helden unterschiedlich. Die Wahl des Charakters hat abseits der Ästhetik noch einen anderen Einfluss auf das Gameplay, da sie alle spezielle Eigenschaften haben. Manche sind besser darin, Beute zu finden, manche verursachen mehr Schaden mit Kopfschüssen, manche können Gesundheit von Feinden stehlen und so weiter.

Das grosse Alleinstellungsmerkmal von Strange Brigade sind die Fallen. Jede Umgebung ist übersät mit Fallen: Sprengstoff, Laserstrahlen, Fallstricke, rotierende Klingen, Stacheln und vieles mehr. Diese Fallen können grösstenteils von den Spielern ausgelöst werden. Herauszufinden wann und wo sie am effektivsten eingesetzt werden, ist in einigen der hektischeren Situationen der Schlüssel zum Erfolg.

Getötete Feinde hinterlassen Geld und Magiepunkte (Seelen). Mit Seelen laden wir unser Amulett auf, mit Geld kaufen wir uns bessere Waffen und Upgrades. Zudem dürfen unsere Waffen mit Runen versehen werden, um z.B. die Schussgeschwindigkeit oder Durchschlagskraft zu erhöhen, Geschosse von Gegnern abprallen zu lassen oder nach jedem Kill ein wenig Gesundheit spendiert zu bekommen. Zu Beginn steht pro Waffe nur ein Runen-Slot zur Verfügung, das ändert sich später jedoch. In den Leveln sind ausserdem Relikte und jede Menge Gold versteckt. Wer einen kompletten Satz dieser Relikte findet erhält einen Skillpoint und kann damit eine neue Amulettkraft freischalten. Das Gold dürfen wir auch innerhalb einer Mission z.B. für Extra-Waffen ausgeben, die nach dem Verbrauchen der Munition wieder aus dem Inventar verschwinden.

Jedes der 10 Levels der Kampagne ist ausgesprochen gross, grafisch imposant, sehr detailliert, mit toller Weitsicht (auf Xbox One X in flüssigen 4k/30fps) und bietet jede Menge Geheimnisse, Rätsel und Fallen. Als Einzelspieler merkt man jedoch ziemlich schnell, dass Grösse nicht alles ist. Allzu oft verliert man sich in der verwinkelten Welt, zumal man auf eine Karte verzichten muss. Es gibt nämlich keine. Das ist schade, denn viele verschlossene Türen mit wertvollem Loot lassen sich erst später öffnen, wenn man entsprechende Hinweise zum Lösen eines Rätsels gefunden hat. Diese Türen später dann wieder zu finden ist ohne Karte mit viel unnötiger Sucherei und langen Laufwegen verbunden.

Die meisten Puzzles im Spiel wären eigentlich recht simpel, lassen aber nur maximal drei Versuche zu. Wer versagt hat erhält erst im nächsten Durchgang erneut eine Chance das Rätsel zu lösen. Dadurch wirkt das Spiel künstlich in die Länge gezogen. Hinzu kommt, dass Belohnungen hinter besonders knackigen Puzzles oftmals nicht viel besser sind als jene, die man ohnehin schon in Kisten findet, weswegen sich die Anstrengung nicht immer lohnt (ausser man will alle Achievements kassieren). Trotz allem sind die Schatzsuche und Rätseleinlagen tragende Motivationsfaktoren und die Hauptgründe, warum man die Levels gerne mehrmals in Angriff nimmt. Insgesamt ist auch die Art der Denkaufgaben durchaus abwechslungsreich. Und dann sind da noch die Collectables: In jedem Level gibt es sechs versteckte Katzenstatuen, vier Vasen und sechs Relikte, die alle unterschiedlich schwer zugänglich sind. Die Katzenstatuen sind normalerweise in Sichtweite versteckt und machen mit einem lauten Miauen auf sich aufmerksam, wenn wir in der Nähe sind. Die Vasen sind viel schwieriger zu erkennen. Diese sind in der Regel in den Hauptbereichen verteilt, aber ohne Audio-Signale oder andere Hinweise nur schwer zu erkennen (so ähnlich wie die verdammten Weinflaschen aus der Zombie Army Trilogy). Das Finden aller Relikte wiederum beinhaltet normalerweise das Lösen sämtlicher Rätsel in einem Level.

Die Maps von Strange Brigade wurden ganz klar für 4-Spieler designt und zu viert stellt sich auch nicht so schnell eine gewisse Monotonie ein, die mich nach zwei, drei Missionen als Single-Player überkam. Denn eigentlich wird zu 95% nur geballert und das bringt mich bereits zum nächsten Negativpunkt. Das Gunplay ist leider nicht sehr befriedigend. Schwache Schussgeräusche sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Steuerung ist leicht schwammig und ungenau, das Zielen dadurch mühsam bzw. gewöhnungsbedürftig. Bei einem Shooter hätte man gerade in diesem Bereich viel mehr Feintuning betreiben sollen. Das Treffer-Feedback ist ebenfalls schwach. Manchmal werden Treffer nicht richtig registriert, was insbesondere bei Bosskämpfen nervt. Da wird hoffentlich noch via Patch nachgebessert. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schiessprügeln fallen kaum auf, ausser man benutzt gerade eine Shotgun oder den Granatwerfer. Diesen Umstand reisst auch das Runen-System nicht raus, dafür hat man einfach zu wenig Freiraum zum Experimentieren. Gerade das Runen-System hätte grosses Potential gehabt, dass leider auf der Strecke bleibt.

Fazit

Alles in allem ist Strange Brigade eine solide und unterhaltsame Koop-Ballerei mit viel Herz und Humor, die mich öfters angenehm an Left 4 Dead erinnert hat. Man verlässt sich aber leider allzu sehr auf bekannte Ideen und Spielmechaniken, versäumt es frischere Einfälle (wie das Runen-System) auszuarbeiten. Insbesondere die Steuerung und das Trefferfeedback dürften für einen Shooter definitiv besser sein. Es fehlt allen Waffen an Wucht und Durchschlagskraft. Einzelspielern würde ich den Titel auf Grund des Level-Designs und der aufgesetzt wirkenden "Story-Kampagne" nicht empfehlen. Wer aber Freunde um sich schart, kann durchaus für ein paar Stunden seinen Spass haben. Im Team Untote abzufackeln, zu Looten und Rätsel zu lösen, das geht doch eigentlich immer, hab ich recht?

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Game

Strange Brigade

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Spieler offline
1
Spieler online
4
Release
08/2018
Format
PAL
Genre
Action
Studio
Rebellion
Publisher
Sold Out
Offizielle Webseite
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Autor

Sascha Böhme

(G)net Score

65

 

Graphics
85
Sound
55
Gameplay
65
Umfang
75

(G)community Score

0

 

Graphics
0
Sound
0
Gameplay
0
Umfang
0

Positiv


  • 4 Spieler Online KoOp-Modus
  • Grosse Karten
  • viele versteckte Geheimnisse
  • hübsche Optik (Xbox One X 4k/30fps)

Negativ


  • Schwammige Steuerung
  • Schwache Schussgeräusche/Treffer-Feedback
  • Kampagne wirkt aufgesetzt
  • keine in-game Karte

Altersfreigabe


PEGI-16

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