Review God of War (2018)

Das Durchspielen des neuesten God of War Abenteuers versetzte mich in einen ständigen Zustand emotionaler Fluktuation zwischen einem Gefühl der Verwunderung darüber, wie viel Aufmerksamkeit selbst in kleinste Details des Spiels gesteckt wurde und dem Frust über andere kleine Details, die es davon abhalten, das perfekte Spiel zu sein.

Einführend ein paar Worte für alle, die God of War noch nicht kennen (gibt es das überhaupt?): Kratos war ein spartanischer Krieger der vom griechischen Gott Ares (Gott des Krieges/God of War) dazu gebracht wurde, seine eigene Familie zu ermorden, um eine Macht zu erhalten die nötig war, um eine aussichtslose Schlacht zu gewinnen. Als er realisierte, was er getan hatte, überkam ihn ein alles verzehrender Hass, und er verbrachte die nächsten paar Spiele damit, so ziemlich das gesamte griechische Pantheon zu töten, um sein Bedürfnis nach Rache zu befriedigen. Schliesslich - und etwas ironisch - entdeckte er, dass er selbst der Sohn von Zeus und somit ein Halbgott war. In God of War III - chronologisch das jüngste Spiel in der Reihe -  tötet Kratos schliesslich Zeus und opfert sich anschliessend für die Menschheit, seine erste wirklich selbstlose Tat. Jetzt erfahren wir, dass er irgendwie überlebt, Griechenland verlassen und sich in nördliche Gefilde zurückgezogen hat. Dort lebt er zur Zeit der alten Vikinger-Götter in Midgard. Sein Markenzeichen, die beiden Kettenschwerter die ihm einst von Ares in seine Handgelenke eingebettet wurden, hat er gegen eine Axt eingetauscht. Die Wunden wurden mit Bandagen verdeckt und er hat sich einen modernen „Hipster-Bart“ wachsen lassen. Ausserdem hat er wieder eine Frau und einen Sohn, Atreus.

Das Spiel beginnt mit dem unmittelbaren Tod seiner Frau (der Gute hat aber auch ein Pech!). Kratos und Atreus begeben sich dann auf eine abenteuerliche Reise, um ihre Asche auf dem höchstens Gipfel des Reichs zu verstreuen. Die Reise startet mit einer erschreckend urzeitlichen Konfrontation mit einem kleinen, seltsamen Mann –  wundervoll exzentrisch gespielt von dem immer merkwürdigen Jeremy Davies – welche mich unweigerlich an die brachialen Kämpfe aus Dragon Ball erinnert haben. Wer der komische Kauz ist, wer ihn geschickt hat und was seine Ziele sind, all das werden wir schon bald heraus finden...

Im neuesten God of War-Spiel dreht sich alles um das Erwachsenwerden. Dies wird gleich von Beginn an in der angespannten Beziehung zwischen Sohn Atreus und seinem Vater Kratos, dem immer wütenden Antihelden, verdeutlicht. Ersterer trauert um seine Mutter und versucht gleichzeitig eine stärkere Bindung zu seinem strengen Vater aufzubauen. Kratos hingegen will seinem Sohn beibringen in dieser gefährlichen Welt zu überleben, führt gleichzeitig aber einen inneren Kampf gegen sich selbst, seine unkontrollierte Wut und seine blutige Vergangenheit. Er will diese hinter sich lassen, einfach nur Vater sein. Natürlich gibt es da so einige Umstände, die ihn vorerst daran hindern.

God of War ist ein Neuanfang für die Serie. Altlasten werden abgelegt und neue, nuancierte und moderne Gameplay-Mechaniken kommen hinzu. Die neue Kameraeinstellung, direkt über der Schulter unseres muskulösen Protagonisten schafft eine neue Intimität, die in früheren God of War Spielen fehlte und sich gut für die anspruchsvollere Erzählung eignet. Anspruchsvoller ist auch das neue, an Dark Souls angelehnte Kampfsystem. Die Gegner sind zahlreich und gnadenlos. Zum Glück hat Sony Santa Monica einen einfacheren „Story-Mode“ eingebaut, so dass auch Spieler mit wenig Kampferfahrung problemlos das Ende zu sehen bekommen. Prinzipiell sind alle Neuerungen und Änderungen zum Guten und die Kämpfe nach wie vor episch und stellenweise sehr brutal. Trotzdem könnten langjährige Fans enttäuscht sein, denn ein traditionelles God of War ist das hier nicht. Ich persönlich finde den Mut zur Veränderung lobenswert und äusserst erfrischend, immerhin ist das hier bereits Teil 5 der 13-jährigen Götter-Saga. Es wäre langweilig gewesen, hätte man für diesen Neustart einfach „mehr vom Gleichen“ abgeliefert. Ihr müsst euch aber keine Sorgen machen, die unverkennbare Handschrift des Kriegsgotts ist nach wie vor vorhanden.

Kern des Spiels sind die actiongeladenen, intensiven Kämpfe mit „Leviathan“, Kratos‘ neue, von Zwergen geschmiedete, Mjölnir-artige, magische Axt, die sowohl geschwungen, als auch geworfen werden kann (Thor hätte seine wahre Freude daran). Die Axt kommt auf Kommando zurückgeflogen und tötet dabei alle Feinde in ihrer Flugbahn – wenn wir sie genügend aufgelevelt haben. Kraft, Verteidung, Ausdauer, Rüstung und Waffen lassen sich wie in einem RPG durch Sammeln von Erfahrungspunkten, Materialien und Silber verbessern. Zusätzliche werden magische Steine in Waffen und Rüstungen eingesetzt, was deren Werte weiter verbessert. Zu Beginn ist Kratos eher schwach, langsam und lässt ein wenig Bumms vermissen. Das ändert sich jedoch schlagartig. Die Kämpfe sind extrem stylisch und dank dem neuen, ausgeklügelten Kampfsystem sehr motivierend. Die Symbiose zwischen Vater und Sohn bringt eine neue Prise Taktik ins Spiel. Atreus lenkt Feinde mit Pfeil und Bogen ab, so dass Vater Kratos den unachtsamen Gegner kurzzeitig gefahrlos malträtieren kann. Das Equipment des Sohnemanns lässt sich ebenfalls mehrstufig verbessern. Sterben kann der Junge nicht, wohl aber ausgeschaltet werden. Dann muss Papa kurzfristig allein zu Recht kommen und dem Junior nach dem Kampf wieder auf die Beine helfen.

Leider haben die Kämpfe ein paar kleine technische Macken, die das Kampfsystem daran hindern, wirklich perfekt zu sein. Das Lock-On System ist stellenweise richtig fummelig. Das führt zu ungewollten Kameraschwenks und auch dazu, dass Atreus' Angriffe den falschen Gegner treffen. Ab und zu kommen Attacken auch von ausserhalb des Bildschirms und obwohl das mit Pfeilen als Warnhinweise gemeldet wird, ist es oft schwer schnell darauf zu reagieren. In Zeiten wie diesen hat man das Gefühl, nicht die hundertprozentige Kontrolle zu haben. Da kann schon mal Hektik und Frust aufkommen.

Etwas schade auch, dass die Bosskämpfe im Vergleich zu den Vorgängern etwas glanzlos sind. Die feindliche Vielfalt geht voll in Ordnung. Es sind die haufenweise auftretenden Mini-Boss-Kämpfe mit den immer gleichen Gegnern die nerven. Einen riesengrossen Oger zu treffen war das erste Mal wirklich aufregend und beeindruckend, aber wenn man ihm zehn Mal gegenübersteht, kann man sich das Gähnen nicht verkneifen. Es gibt nur eine Handvoll wirklich einzigartiger und spektakulärer Boss-Kämpfe. Das fand ich zu wenig und zudem liegen diese weit auseinander.

Die Spielewelt führt euch meist linear von einem Punkt zum nächsten, bietet aber auch viele offene Gebiete mit Geheimnissen, kleinen Rätseln, Side-Quests und Sammelobjekten. Viele davon sind anfangs unzugänglich. Man muss sich erst neue Fähigkeiten aneignen, um diese zu erreichen oder zu finden. Das führt dazu, dass man viele Orte mehrmals besucht – und auch zu einigem Backtracking, einem weiteren Kritikpunkt, denn eine anständige Schnellreiseoption gibt es erst sehr spät im Spiel. 

Die starke Puzzle-DNA der Serie bleibt gottseidank intakt. Dutzende schlauer Rätseln und Geheimnisse sind überall in Midgard verstreut. Atreus ist der Belesene der beiden und übersetzt Runenschriften und Gedenktafeln. Gefundene Schriftrollen nimmt er gerne als Upgrades entgegen. Damit verbessert er seine sprachliche Gewandtheit und dies wiederum eröffnet Kratos neue Wege in der Umgebung. Anfangs nervt der Kleine nur, aber mit der Zeit entwickelt sich eine wundervolle Vater-Sohn Beziehung, mit vielen lustigen und denkwürdigen Momenten und Dialogen. Ich bin selbst Vater eines 12-jährigen Jungen und erkenne mich in Kratos häufig wieder. Ich amüsiere mich über dessen erzieherische Fehltritte oder empfinde Wut, Stolz und sogar Liebe. Gerade in Story und Charaktere wurde viel Herzblut investiert. Das sieht und – noch wichtiger - fühlt man. Solche Emotionen hätte ich dem alten Griechen nicht zugetraut oder gar erwartet. Da hat sich Sony Santa Monica offensichtlich von The Last Of Us inspirieren lassen. Gut so und bitte mehr davon in der Zukunft!

Über die grandiose Grafik muss ich nur wenige Worte verlieren. God of War sieht atemberaubend aus und klingt auch so! Die Präsentation gehört wahrscheinlich zum Besten, was man auf der Playstation 4  bis zu deren Ableben sehen wird, speziell wenn man einen 4k/HDR Fernseher angeschlossen hat. Auch auf der Basis PS4 und in 1080p sieht das Spiel einfach umwerfend aus und läuft stets flüssig. Pro-User haben die Wahl zwischen zwei Grafik-Modi: Auflösung oder Performance. Letzterer gibt sich Mühe die angepeilten 60fps zu halten. Im „4k-Modus“ läuft das Spiel mit 30fps und gelegentlichen, leichten Einbrüchen – nicht der Rede wert! God of War ist neben Uncharted 4 auch so ganz klar das schönste Konsolen-Spiel, dass ich bisher gesehen habe.

Fazit

Ist God of War das Beste Spiel aller Zeiten? Nein, aber es kommt dieser Definition wirklich verdammt nahe! Grafik, Sound und Story sind einfach nur hammermässig und stellen einen neuen Höhepunkt in Sachen Präsentation dar. So schön war bisher noch kein Playstation 4 Spiel, so emotional nur sehr wenige. Allerdings wird es von ein paar kleinen, fiesen Patzern torpediert. Einer davon macht sich ausgerechnet beim Gameplay bemerkbar und sorgt ab und zu für etwas Frust. Es dürfte auch mehr fette Boss-Kämpfe geben, dafür weniger von diesen immer gleichen Mini-Bossen. Das Checkpoint-System könnte auch gnädiger sein, zumal die Gegner recht anspruchsvoll sind und viele Tode einfordern. Das ist jedoch alles Meckern auf hohem Niveau. Das Spiel ist einfach eine Wucht! Loben muss man auch den Mut der Entwickler. Sony Santa Monica hatte keine Angst Neues zu probieren und Altes zu vergessen oder umzukrempeln und genau das macht God of War letztendlich zu einem Meisterwerk. Es fühlt sich einfach frisch an, spielt sich super, erzählt eine tolle Geschichte und motiviert durchgehend bis zum grossen Finale. Immer wenn Du denkst, alles gesehen zu haben, setzt das Spiel nochmal einen oben drauf. God of War ist eines von diesen Spielen, wo ihr alles um euch herum vergesst. Must-Play!

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Game

God of War (2018)

God of War (2018)


Spieler offline
1
Release
04/2018
Format
PAL
Genre
Action-Adventure
Studio
SIE Santa Monica Studio
Publisher
Sony
Offizielle Webseite
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Autor

Sascha Böhme

Award

Editors Choice Award

(G)net Score

97

 

Graphics
97
Sound
95
Gameplay
90
Umfang
90

(G)community Score

0

 

Graphics
0
Sound
0
Gameplay
0
Umfang
0

Positiv


  • motivierendes Kampfsystem
  • fantastisches Welt- und Level-Design
  • bedeutungsvolle Side-Quests
  • umfangreiches Skill- und Crafting-System
  • unglaubliche Detailverliebtheit
  • mitreissende Story

Negativ


  • zu viele gleichförmige Mini-Bosse
  • zu wenige grosse Boss-Fights
  • leichte Kameraprobleme
  • Lock-On System mit Schwächen

Altersfreigabe


PEGI-18

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