Special Switch NEOGEO Classics 5

Das NEOGEO Advanced Entertainment System, die möglicherweise glanzvollste Konsole aller Zeiten, in einer goldenen Area der Videospiel-Geschichte. Mindestens genauso golden der Logo-Schriftzug des teuren High-End Systems. Günstiger geht es auf der Nintendo Switch zur Sache, Jahrzehnte später, aber nicht minder faszinierend.

Zu Zeiten von Mega Drive und Super Nintendo schielten viele Konsolen-Besitzer neidisch ins SNK-Lager. Spielhallen-Qualität auf dem heimischen Fernseher, ein Traum zu jener Zeit. Allerdings ein kostspieliger Traum. Die riesigen Module stachen nicht nur mit Pracht-Grafiken und Sprachausgabe hervor, sondern auch durch deren Preis: Ein Spiel kostete zwischen zwei und dreihundert Franken, später gar mehr. Dank dem japanischen Publisher Hamster wurden in der Vergangenheit bereits über 30 Titel für den Nintendo Switch Store umgesetzt. Wo früher riesige Module von Nöten waren, um in den Genuss purer Arcade-Kost zu kommen, reichen heute wenige MB auf der Speicherkarte; das und ein Zehner vom eigenen Obolus. Welche Titel Letzteren 2017 noch wert sind, haben wir uns angesehen:

Blue’s Journey

Ein Jump’n Run, eine wahre Seltenheit auf der schwarzen edel Konsole. Raguy, so der original Titel, wurde bereits zum NEOGEO Release auf die wenigen Besitzer los gelassen. Ein Vorteil für Alpha Denshi, weniger Konkurrenz schafft grössere Begehrlichkeiten. Im Fall von Blue’s Journey eine nicht unwichtige Gegebenheit. Der Titel ist bunt und spielt sich ok, aber weder wird die Hardware Power auch nur angekratzt, noch besticht Blue’s farbenfrohes Abenteuer mit extraordinärer Spielbarkeit. Im Gegenteil, den Spieler erwartet ziemlich banale Jump’n Run Kost, und in diesem Genre übertrumpfen die Nintendo- und Sega Konsolen SNK in allen Belangen. Aufgrund des 2-Spieler-Modus und der Systemintern nicht vorhandenen Konkurrenz für Genre-Freunde dennoch ein Blick wert.

Samurai Shodown

1991 war Street Fighter 2, doch zwei Jahre später sollte Samurai Shodown folgen. SNK lancierte mit Samurai Spirits, so die original Betitelung, einen mindestens genauso krachenden Genre-Klassiker. Im Gegensatz zur Capcom Konkurrenz beharken sich die zwölf Recken des japanischen Feudal-Zeitalters nicht nur mit Fäusten, sondern jeder der Streithähne bringt seine Lieblingswaffe mit in den Kampf. Nebst dem dadurch einzigartigen Gameplay sorgten ein extrem abwechslungsreiches Kämpferfeld wie auch die überragende Grafik für staunende Gesichter. Der von Art of Fighting bekannte Zoom Faktor wurde übernommen, sind die Kämpfer nahe beieinander nehmen Hünen wie Earthquake Bildschirmgrösse ein, entfernen sie sich voneinander, schafft die Kamera Raum für eine bessere Übersicht und zoomt weg. Der erste Teil der Serie ist nicht der beste, aber hat wie das Ur-Street Fighter 2 nach wie vor seine Daseinsberechtigung, und sei es nur der Nostalgie wegen. Im Gegensatz zu Spielen wie Fatal Fury 1 überzeugt aber bei Samurai Spirits das Gameplay heute noch.

Aero Fighters 2

Video System bringt 1994 Abwechslung in den von Fighting-Titeln überschwemmten NEOGEO Markt. Sonic Wings 2, oder Aero Fighter 2 im Western, ist ein vertikaler Shooter im klassischen Gewand. Mittels dem A-Button werden die umherschwirrenden Fieslinge abgeschossen, wohingegen der B-Button den Griff zur Smart-Bomb darstellt. So geht es alleine oder im Duett durch zehn Levels mit dem Ziel, die Welt zu retten. Dabei darf zu Beginn einer von acht unterschiedlichen und auch verrückt anmutenden Charakteren gewählt werden, jeder mit seinen eigenen Vor- und Nachteilen und sogar individuellen Abspännen – keine Selbstverständlichkeit im Shooter-Genre. Aero Fighters 2 brilliert ansonsten nirgends, bietet aber gelungene Hausmannskost. Hübsche, abwechslungsreiche Grafik, vielerlei Gegner und interessante Bossfights locken auch heute noch vor den Screen. Zumal dank Vertikal-Scrolling ein Vergleich mit Genre-Grössen wie Pulstar oder Last Resort gekonnt verhindert wurde.

Fatal Fury Special

Fatal Fury lehnte sich schon immer an Capcoms Ur-Vater an. So auch die Special Variante, welche 1993 auf den Markt gebracht wurde. Fatal Fury 2 war zum damaligen Zeit das meist verkaufte NEOGEO Modul, entsprechend bot sich eine „Turbo“ Variante mehr als nur an. In Special stehen die vier Endgegner des zweiten Teils erstmalig zur Auswahl, zudem sichten ungeschlagene Spieler nach Wolfgang Krauser den ersten Serien-Seitensprung der Fighting-Geschichte: Ryo Sakazaki, bekannt aus Art of Fighting, tritt zum Kampf an und steht nach erfolgreicher Beseitigung zur Auswahl bereit. Einfach ist dieses Unterfangen aber keinesfalls. Fatal Fury Special zählt bis heute zu den anspruchsvolleren Titeln und bedarf einiges an Übung. Aufgrund der klassischen Fatal Fury Engine spielt sich auch die Special-Variante etwas hölzern im Vergleich zu aktuellen Genre-Vertretern. Lässt man sich aber erstmal darauf ein, erwartet den SNK-Fan Stunden bester Unterhaltung, dank Pracht-Grafik, krachendem Soundtrack und wunderbarem Charakter-Balancing auch heute noch.

Magician Lord

Nicht nur SNKs NEOGEO erscheint mit dem Werbeslogan „Bigger, Badder, Better“ auf dem Markt, auch Magician Lord macht sich als Launch-Titel auf, die Herzen der Arcade Fans zu erobern. Alpha Denshis Sidescroller wurde unweigerlich von Konamis Castlevania inspiriert, ohne aber dessen Fan-Status zu erreichen. Das liegt mitunter am zwar soliden, aber nicht überragenden Gameplay und Leveldesign. Hauptcharakter Zauberer Elta ist in der Lage sich mittels Aufnahme von Orbs zu verwandeln. Seine Alter-Egos wie der Shinobi oder gar ein Drachenkämpfer sind deutlich schlagkräftiger und haben jeweils eigene Spezial-Attacken um sich der nicht ganz einfachen Gegnerschar zu entledigen. Nach acht Levels ist der Titel durch, bis dahin stellt sich noch der eine oder andere Obermotz in den Weg - klassische Jump’n Shoot Action also. Damals punktete das Spiel in erster Linie mit erstklassiger Grafik, welche auch heute noch hübsch anzusehen ist. Deswegen und dank insgesamt gelungenem Gameplay ist der bockschwere Titel auch heute noch eine Empfehlung wert. Der zweite Teil wurde übrigens nie fertig gestellt und nach dem Konkurs von Alpha Denshi dürfte das mit grosser Wahrscheinlichkeit auch so bleiben.

Metal Slug 2

Es schlug im Videospiele-Markt ein wie eine Bombe, das erste Metal Slug. Kein Wunder liess der zweite Teil nicht lange auf sich warten, diesmal direkt von SNK. Metal Slug wird neben King of Fighters zur mit bekanntesten Marke auf der Nobelkonsole und ein Münzgrab in den Arcades weltweit. Umsetzungen auf fast alle Konsolen sollten folgen. Der zweite Teil indes sollte 1998 vorerst NEOGEO Exklusivität geniessen und wurde als einziger in Form einer später erschienen Special-Edition aufgebohrt (Metal Slug X). Jene merzte in erster Linie ab und an auftauchende Grafik-Ruckler des original aus. Letzters ist gleichzeitig einer der einzigen Makel, Metal Slug 2 ist ansonsten eines der herausragenden Jump’n Shoots der 16-Bit Zeit und spielt sich nahezu perfekt. Dazu mitreissende Musik, klasse Bitmap-Humor und ein fantastischer 2-Spieler Modus. Bis auf die Existenz von Metal Slug X spricht tatsächlich nichts gegen den Download des zweiten Teils und kriegt damit für den schmalen Preis von weniger als 10 Franken eine klare Kaufempfehlung.

Shock Troopers 2nd Squad

Knapp zwei Jahre nach dem Erstling schiebt Saurus bereits 2nd Squad nach. Im Gegensatz zu so vielen Fortsetzungen hat der zweite Teil von Shock Troopers wenig mit dem Original gemein. Zwar handelt es sich noch immer um einen Action bepackten 360° Shooter – jetzt aber mit Rendergrafik. Jener lässt  den Charme des Erstlings vermissen, wenn es sicherlich auch dafür seine Fans geben wird; Pixelfreunde bedauern die Grafik-Stil Veränderung. Hervor tut sich bei 2nd Squad die Möglichkeit, frei nach Metal Slug, umherstehende Kriegs-Fahrzeuge zu besetzen und dem Gegner-Volk damit so richtig einzuheizen. Zur Auswahl stehen zu Spielbeginn vier in deren Fähigkeiten unterschiedliche Charaktere. Jeder hat zudem seine eigene Spezial-Waffe, die sich im späteren Spielverlauf als äusserst nützlich herausstellen werden. Shooter Fans mit Faible für gerenderte Grafik riskieren einen Blick, alle anderen holen sich zuerst den ebenfalls erhältlichen und besseren Vorgänger.

Magical Drop 2

Obschon SNKs NEOGEO in erster Linie für Action Cartridges bekannt wurde, gab es auch den einen oder anderen Ausreisser. Dazu zählt auch Data Easts Magical Drop 2. Der Screen lässt erst vermuten, es handle sich um einen Puzzle Bobble Ableger, dem ist aber leider nicht so. Statt verschiedenfarbige Kugeln nacheinander an die ebenso mit Kugeln bedeckte Bildschirmdecke zu schiessen, sollen letztere erst „eingesogen“ werden, um sie kurz darauf an anderer Stelle zurück zu schiessen. Mit genügend Skills lassen sich so gegen die CPU oder einen menschlichen Gegner ansehnliche Blasen-Vernichtungs-Kombos ausführen. Denn wie bei anderen Genrevertretern lösen sich die farbigen Kugeln in einer Reihe von mindestens drei gleichfarbigen auf und bescheren dem Gegner im Falle von Kombos grössere Schwierigkeiten. Das Spiel ist aufgrund der Natur des gemeinen Puzzle-Spiels angenehm gut gealtert, kann aber spielerisch nicht mit dem ebenso auf dem NEOGEO erhältlichen Puzzle Bobble mithalten, zumal jenes leider noch nicht mit einer Switch-Umsetzung bedacht wurde.

Fazit

NEOGEO in Reinkultur wird auf der Nintendo Switch gross geschrieben. Das freut den Arcade-Fan und SNK Liebhaber im speziellen. Die hier vorgestellten Titel variieren sowohl in Qualität wie auch dem unaufhaltbaren Alterungsprozess im Auge des Betrachters. Für Genre-Fans lohnt sich jeder der Titel auch heute noch, der Preis von knapp 10 Franken ist nicht gerade ein Schnäppchen, aber das waren NEOGEO Titel noch nie. Die nächsten Releases stehen bereits vor der Tür und wir sind äusserst gespannt, welche Titel wir als nächstes im Nintendo Switch Online-Store begrüssen dürfen. Eins ist sicher: NEOGEO und Spielhallen Freunde kommen 2017 definitiv auf ihre Kosten und dürfen sich nicht über mangelnden Spiele-Nachschub beklagen.

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