Special Apple Watch Series 2

Seit einigen Monaten habe ich nun die erste Apple Watch am Handgelenk. Ein paar Dinge störten, beziehungsweise fehlten mir noch. Es gab auch kaum Spiele, ein nicht zu unterschätzender Punkt für einen Spiele-Redakteur wie mich. Apple hat sich mit der Apple Watch Series 2 einiger Probleme angenommen und auch vieles verbessert. Und es gibt auch was zum Daddeln!

Das Beste zuerst: Die Apple Watch Series 2 ist nun endlich bis 50 Meter wasserdicht und hat neu ein eigenständiges GPS-Modul, das komplett eigenständig funktioniert (also auch ohne gekoppeltes iPhone). Das Design hat sich gegenüber der Series 1 nicht  grundlegend verändert. Die Abmessungen sind die praktisch genau gleich. Die Series 2 ist 1mm dicker und ein paar wenige Gramm schwerer. Der neue Dual Core-Prozessor und die neue Grafikeinheit machen die Uhr flinker in der Bedienung. Das Display mit Saphirglas- (Edelstahl-Modell) oder Ion-X Glas-Abdeckung (Alu-Modell) ist merklich heller als beim Vorgänger. Auch das Betriebssystem "watchOS 3" wurde stark überarbeitet. Die Apps starten schneller, was das gesamte Erlebnis geschmeidiger, flüssiger macht. Ausserdem bringt das neue OS ein leicht verbessertes Bedienungskonzept, speziell beim Schreiben. Die zentrale Neuerung ist dabei das Dock-System, eine Art Kontrollzentrum ähnlich dem Taskmanager auf dem iPhone. Hier werden zuletzt geöffnete Apps durchgeblättert, was einfacher, sinnvoller und eben auch schneller ist, als das Konzept der "Checks" von watchOS 2. Duch Wischen von unten nach oben öffnet sich ein weiteres Menü, wo z.B. der Ladestand der Batterie abgelesen, der Flugzeugmodus aktiviert oder die Uhr auf Stumm geschalten werden kann. Neben einem Edelstahl- und Aluminiumgeschäuse gibt es neu auch eines aus Keramik. Die "Gold-Editionen" der Series 1 werden nicht mehr weitergeführt. 
 
Apple hat auch bei der Vermarktung der neuen Smartwatch einen neuen Weg eingeschlagen und positioniert sie jetzt nicht mehr als Lifestyle-Produkt, sondern als "umfassendes Gesundheitstool", das den Benutzer in seiner gesunden und sportlichen Lebensweise unterstützen soll. Die Apple Watch bewegt sich also irgendwo zwischen Fitness-Tracker und medizinischem Messgerät. Die medizinischen Daten haben laut Langzeitstudie aber "nur" eine Genauigkeit von rund 91%. Zu wenig für eine offizielle Zertifizerung durch die FDA (amerikanische Food and Drug Administration).
 
Das Hardware-Upgrade steht der neuen Apple Watch sehr gut zu Gesicht. Sie läuft deutlich schneller. Die Apps laden jetzt ohne grosse Verzögerung und Daten werden schneller geladen. Das hellere Display macht sich speziell an schönen Sonnentagen positiv bemerkbar. Das neue Bedienkonzept war für mich zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, aber am Ende des Tages ist das reine Gewohnheitssache. Schlussendlich ist alles logischer und der Bedienung eines iPhones ähnlicher. 
 
 
Ein weiterer, störender Punkt der Series 1 war für mich die Batterie und die Tatsache, dass ich jeden Abend (manchmal sogar schon vorher) an die Steckdose musste. Der Stromverbrauch der Series 2 scheint reduziert. Jetzt muss man spätestens jeden zweiten Tag aufladen, was eine immense Verbesserung darstellt. 
 
Dass die Series 2 jetzt ein eigenständiges GPS besitzt ist vor allem für Sportler interessant. Endlich muss man sein iPhone nicht immer dabei haben, wenn man genaue Distanzen, eine Strecke oder eine Geschwindigkeit bei seinen Trainingseinheiten messen will. Ist man wieder zu Hause werden die Daten zwischen iPhone und Apple Watch automatisch synchronisiert. 
 
Ein weiterer Schritt in Richtung mehr Unabhängigkeit ist "Scribble", das neuartige Schreiben auf dem Display. Da für eine onscreen Tastatur kein Platz ist, kommt diese nette Erfindung wie gerufen. Mit Scribble werden einfach Buchstaben nacheinander und einzeln mit dem Finger auf das Display geschrieben. Die Apple Watch Series 2 macht daraus wieder Wörter, um beispielsweise SMS zu beantworten. Längere Texte sind logischerweise eher mühsam zu schreiben, aber um kurze Antworten zu geben ist das ideal und man braucht nicht jedesmal sein Handy aus der Tasche kramen. Die Schrifterkennung funktioniert dabei erstaunlich gut und sehr zuverlässig. Künftig muss man also nicht mehr auf vorgefertige Standardsätze zurückgreifen. Einziger Wermutstropfen; Scribble ist bislang nur in der englischen Sprache benutzbar. Man muss also entweder die Uhr selbst, oder die Sprache der aktuellen Konversation auf Englisch umstellen, um die Scribble-Funktion nutzen können. Umlaute beherrscht Scribble nicht. 
 
Obwohl Apple eine breite Palette an Apps zur Verfügung stellt, die sehr viele Funktionen abdecken, vermisse ich immer noch einiges. Schön wäre eine Universal-Fernbedienung für Musikplayer, gerade für das von mir vielgenutze Spotify. Eine Fingerabdruck-Authentifizierung fehlt ebenso, obwohl so eine Uhr geradezu prädestiniert dafür wäre. Schlussendlich nutze ich die Uhr nämlich weniger für Sport, sondern mehr als Begleiter im Alltag, der mir den Umgang mit meinem Smartphone einfacher machen soll.
 
Schön ist, dass man alle Armbänder der Series 1 nutzen kann, um seine Apple Watch Series 2 zu personalisieren. In den letzten knapp zwei Jahren sind jede Menge davon erschienen, auch von Drittherstellern. Apple selbst liefert ebenfalls neue Armbänder, wie beispielsweise das "Nylon Band", welches sich bei unserem Test-Modell sehr angenehm anfühlte. Auch das magnetische Ladedock ist das gleiche geblieben.
 
Die Apple Watch Series 2 und Spiele:
 
Natürlich so ein kleines Display und die einhändige Bedienung erst einmal nicht unbedingt optimal für Spiele. Trotzdem gibt es dank der grossen Verbreitung der Smart-Watch bereits viele Entwickler, die trotz diesen Limitierungen auf klevere und witzige Ideen kommen. Die meisten davon sind im Grunde lediglich Mini-Spiele die in extrem kleinen Happen konsumiert werden wollen. Es gibt aber auch Ausnahmen.
 
Ein Spiel, dass seinen grossen RPG-Konsolenbrüdern sehr nahe kommt ist Runeblade (AppStore), ein kostenloses Fantasy-Abenteuer, das bereits im April 2015 erschienen ist.
 
 
Pokémon Go (Appstore) ist ein weiteres Paradebeispiel für die Integration der Apple Watch. Wer unbedingt alle Pokémon haben muss und keines verpassen will, kommt um diese App einfach nicht herum. Ihr könnt mit der Apple Watch Eier ausbrüten (je mehr ihr lauft, desto schneller schlüpfen die Pokémon), verdient Süssigkeiten und bekommt Nachrichten, wenn ein Pokémon in der Nähe ist. Zum Einfangen müsst ihr also nicht mal mehr euer iPhone aus der Tasche holen. Praktisch.
 
 
Ideal für ein "Spiel in der Uhr" ist die Tamagotchi Classic Collection (Appstore). Wie in den 90ern zieht man hier ein digitales Tierchen gross und bekommt Benachrichtigungen auf die Uhr, sobald ihm etwas fehlt.
 
 
Auch Sega hat ihren blauen Igel am Start. Sonic Dash 2 (Appstore) ist der Nachfolger des populären Endlos-Runners und bringt hübschere Grafik und ein flüssigeres Gameplay auf das kleine Smartwatch-Display. Das Spiel funktioniert zwar nur im Zusammenspiel mit einer iPhone App, belohnt den Spieler aber durch zurückgelegte Laufstrecken, welche mit einer Apple Watch gemessen werden. Je grösser die Distanz, desto besser die Belohnung. Ein interessantes Konzept für sportfaule Spieler.
 
 
Eine Art Mini-Farmville stellt Field Day (Appstore) dar. Ihr bewirtschaftet eure Felder, pflanzt Weizen und versucht eure virtuelle Farm durch geschickten Warenhandel zu vergrössern. Das Spiel wurde 2016 sogar zum Spiel des Jahres gewählt.
 
 
Rules! (Appstore) ist ein gepflegtes Puzzle-Spiel und fordert richtig Hirnschmalz. Es beginnt ganz harmlos mit Aufgaben wie "tippe auf die Felder in aufsteigender Reihenfolge" wird aber zunehmend richtig knackig, weil sich ständig die Regeln ändern. Wer seinen Denkmechanismus gerne auf Trab hält wird hier bestens bedient.
 
 
Wer sich im Internet etwas schlau macht und Google beherrscht, findet noch eine ganze Reihe von mehr oder weniger guten Apple Watch-Spielen. Es ist aber festzuhalten, dass die Auswahl an wirklich guten Spielen sehr überschaubar ist. Es wäre also durchaus noch viel Luft nach oben und ich gespannt darauf, was uns in Zukunft noch alles erwartet.

Fazit

Die Apple Watch Series 2 ist bis 50m wasserdicht, läuft schneller, hat ein helleres Display, ein separates GPS Modul und macht im Tandem mit dem neuen watchOS 3 die Bedienung insgesamt runder und komfortabler. Allerdings fehlen mir nach vor jede Menge Apps und Funktionen, die ich von meinem iPhone gewohnt bin. Allen voran Whatsapp und eine Remote für Spotify. Spiele gibt es für meinen Geschmack auch noch zu wenige, zumindest sind wirklich gute Vertreter mit hoher Langzeitmotivation eher Mangelware und meistens wird ohnehin noch ein iPhone zum Spielen vorausgesetzt, dann kann ich auch gleich darauf zocken. Trotzdem ist die Series 2 gute Modellpflege mit sinnvollen und praktischen Verbesserungen, wie beispielsweise das vom iPhone her bekannte App-Dock und Scribble, also das direkte Schreiben mit dem Finger auf dem Display.

Zurück

The(G)net ist ein Mitglied des