Special Playstation VR im Test

Oktober 2016 - Die Zukunft des Gamings hat begonnen, zumindest auf der Playstation 4. Denn für PC Spieler ist das Thema VR dank Oculus Rift & Co. schon seit geraumer Zeit ein grosses Thema. Sony war so freundlich und hat uns ein Gerät zum Test zur Verfügung gestellt. Unser erstes Fazit findet ihr in den folgenden Zeilen.

Die edle, dunkelblaue Plexiglas Presse-Kiste von Sony's Virtual Reality Headset is riesig - genau so riesig wie meine Vorfreude, endlich selbst in virtuelle Welten abzutauchen. Hastig öffne ich die Box und staune erst einmal nicht schlecht angesichts der vielen, vielen Kabel. Neben dem Headset liegt auch eine Playstation-Kamera, zwei Move-Controller, ein paar Ohrstöpsel und eine zusätzlich Prozessor-Einheit bei. Das alles will erst einmal fachgerecht an die PS4 angeschlossen werden, wozu ich dann doch lieber das Handbuch zur Hilfe nehme. Wer sich dabei nicht allzu ungeschickt anstellt hat nach rund 15 Minuten alles angestöpselt und ist bereit für die ersten Schritte in der virtuellen Realität.

Der erste WOW-Effekt ist enorm! Wenn man das stylische VR-Headset zum ersten Mal selbst auf dem Kopf hat, VR Worlds startet und in dem kuppelartigen Raum steht staunt man nicht schlecht. Lichter schwirren um mich herum, ich werde von fliegenden Bällen und Farben umgeben, atemberaubend! Mein Blick folgt dem herumsurrenden Ball, der nach und nach die Umgebung in ein Farbenmeer taucht. Dank 3D Sound aus den kleinen Ohrstöpseln kann ich die Flugbahn des Balls auch erahnen, ohne ihn im Blick zu haben. Das ist alles schon sehr eindrücklich, speziell wenn man - so wie ich - noch nie zuvor mit VR in Kontakt gekommen ist. Nach kurzer Zeit schweben einige Spiele-Menüs vor meinem Gesicht. Ich wähle zuerst das Unterwasser-Abenteuer 'Ocean Descent'. Die Beschreibung lässt darauf schliessen, dass ich hier nicht viel interagieren muss, ideal für einen Neuling wie mich. Ich will erst einmal nur zuschauen, denn vielleicht vertrage ich das Ganze ja nicht und muss mich gleich übergeben. Im Vorfeld hat man ja so einige Horror-Stories darüber gelesen...

Ocean Descent

Das kurze Tauchabenteuer bietet drei Modi: Einen einfachen Tauchgang mit allerlei Meeresgetier, ein Korallen-Riff und ein Tiefsee-Abenteuer mit einer gruseligen Überraschung. Ich stehe dabei in einem Haikäfig und bewundere auf meinem Weg in die Tiefe allerlei Meeresbewohner wie Schildkröten, Stachelrochen oder Quallen. Ich geniesse die fantastische Aussicht und lausche den Funksprüchen meiner Crew. Interagieren kann ich mit den Fischen nicht, das hier ist sowas wie ein 'Walking-Simulator' unter Wasser.

London Heist

Nun hab ich Blut geleckt und wünsche mir etwas mehr Interaktion. Ein idealer Zeitpunkt für einen virtuellen Banküberfall. In London Heist soll ich einen grossen Edelstein stehlen, Schiessereien und Autoverfolgungsjagden inklusive. Das hört sich doch gut an! Zur Gestensteuerung stehen hier neben dem Standardcontroller auch die beiden Move-Controller zur Auswahl. Da ich zwei von denen habe wähle ich diese (empfohlene) Variante. Somit werden beide Hände ins Spiel integriert und ich vollführe Aktionen wie 'Zigarre anzünden' oder 'Waffe nachladen' mit entsprechend realitätsnahen Gesten. Das Headtracking funktioniert perfekt und das Zielen und Schiessen geht intuitiv von der Hand. So muss das sein... ziemlich irre und beeindruckend!

VR Luge

Wie es sich anfühlt, auf einem Rollbrett den Berg hinab zu brettern, mitten durch den Verkehr, dieses Gefühl will das Mini-Spiel 'VR Luge' vermitteln. Ich liege auf diesem Rollbrett und heize in einem Affentempo den Hang hinunter. Nur wenige Zentimeter trennen mich vom Asphalt. Mittels Kopfbewegungen steuere ich nach links und rechts, fahre unter Lastwagen hindurch und weiche Lawinen und anderen Natur- und Verkehrskatastrofen aus. Je länger ich fehlerfrei fahre, desto schneller wird die Fahrt. Und plötzlich ist da dieser Hügel vor mir... ich rase darauf zu, hebe ab und dann kommt es, dieses komische Gefühl in der Magengegend! Mein Hirn sagt, dass ich fliege, mein Körper sagt aber was total anderes. Verwirrend! Ich finde dieses neuartige Gefühl aber ehrlich gesagt ziemlich cool! Eine Pause ist noch lange nicht in Sicht, auch wenn sich langsam Schweissperlen auf meiner Stirn bilden...

Scavengers Odyssey

Das in meinen Augen beste Spiel im VR Worlds Paket ist Scavengers Odyssey. Hier kann ich mich zum ersten selbst durch die virtuelle Welt bewegen und bin nicht nur "quasi-Zuschauer". Im Cockpit eines Alien-Mechs erforsche ich mysteriöse Raumschiffe und springe von Asteroid zu Asteroid. Feindliches Gesindel visiere ich mittels Headtracking direkt an, die Dual-Gatling-Laser meines Krabbel-Roboters erledigen dann den Rest. Zwischendruch gilt es Audio-Dateien zu sammeln oder Objekte aus dem Weg zu räumen, was beides via Tracktorstrahl erledigt wird. Die Rundumsicht im Cockpit ist einzigartig. Immer wieder bleibe ich stehen und bewundere die Umgebungen, schaue an mir herunter, sehe meinen Körper, die Hände. Wahnsinn! Bei den immensen Sprüngen wird mir aber auch ab und zu etwas mulmig. Die actionlastige Suche nach den drei ausserirdischen Artefakten dauert rund eine Stunde. Ich hab das Ganze am Stück durchgezogen, hatte am Schluss aber dann doch mit leichten Schwindelgefühlen zu kämpfen. Vielleicht hätte ich zwischendrin eine Pause machen sollen...

Danger Ball

Das in meinen Augen schwächste Spiel im 'Demo-Paket' VR Worlds ist Danger Ball, eine Art modernes Pong. Mit meinem Kopf soll ich eine Kugel in Punktefelder maneuverieren, was gar nicht mal so einfach ist, wie es sich anhört. Die Lust auf eine Highscorejagd hält sich bei mir aber in Grenzen, weswegen ich sogleich das nächste Spiel im Playstation Store downloade... ich will einfach immer mehr von dieser virtuellen Erfahrung erleben und aufsaugen!

Was für ein Rush! Diese fünf einzigartigen 'Erlebnisse' bilden einen tollen Einstieg in die VR-Welt, auch wenn ich nur zwei davon als richtige Spiele bezeichnen würde (London Heist, Scavengers Odyssey). Sie zeigen eindrücklich, was mit VR alles möglich ist und wo die Reise hingeht. Sie zeigen mir jedoch auch, wo die noch vorhandenen Schwächen liegen, auf welche ich gleich noch eingehen werde. Reden wir aber zuerst mal über das Positive:

Das hat mir an PSVR gut gefallen

Lagfreies, verzugsloses Headtracking. Das hat mich schon erstaunt! Wenn ich mich umsehe, wird das vom Headset bzw. der Kamera stets fehlerfrei erkannt und ohne Verzögerung im Spiel umgesetzt. Ein perfektes Mittendrin-Gefühl, faszinierend!

Das Headset ist sehr leicht und bequem. Eigentlich sieht es ja gar nicht so bequem aus, dieses PSVR Headset. Aber ich muss sagen, wenn man erst einmal auf dem Kopf hat, gewöhnt man sich sehr schnell daran und auch bei längeren Sessions gibt es keine Druckpunkte.

Wie für Brillenträger gemacht. Da ich Brillenträger bin hatte ich im Vorfeld meine Bedenken. Ich kann aber Entwarnung geben. Ich habe zwei verschiedengrosse Brillen unter dem Headset getragen und zu keiner Zeit hatte ich irgend welche Druckstellen oder sonst das Gefühl, dass mich meine Brille behindern würde. Allerdings darf man nicht schwitzen, sonst beschlagen die Gläser...

Der Preis ist top! Die Konkurrenz wie Oculus Rift oder Vive kosten sehr viel Geld und setzen einen leistungsstarken PC voraus. Sony hingegen hat mit der PS4 bereits eine enorme User-Basis und das PSVR Basispaket kostet nur halb soviel, wie das der PC-Konkurrenten.

Das hat mir an PSVR nicht so gut gefallen

Die Positionierung der Kamera hat seine Tücken. Man muss schon sicherstellen, dass im Hintergrund keine Spiegelungen vorhanden sind (Bilderrahmen, Bücher mit Glanzcover, andere Lampen, etc.). Ich musste beispielsweise hinter mir ein Bild von der Wand nehmen, weil sich die Lichter im Glas gespiegelt haben und so die Kamera irritierten, was zu Bildzuckungen geführt hat.

Bildjustierung auf Knopfdruck? Oben, unten, links, rechts, ich schiesse, ich drehe mich wild, es wird hektisch. Und plötzlich sitze ich nicht mehr gerade im Cockpit meines Mechs... Sony weiss wohl, dass sich das Bild ab und zu verschieben kann, weswegen man die Möglichkeit eingebaut hat, mittels OPTIONS-Button die Blickrichtung jederzeit zu justieren. Und glaubt mir wenn ich sage, dass ihr das viele Male tun müsst. Das ist schade, denn es reisst dich jedesmal aus der Spielewelt. Ich hab mit verschiedenen Setups experimentiert, meine Sitzposition und die Lichtverhältnisse geändert, die Kamera umgestellt und trotzdem gab es immer diese Bildverschiebungen. Schade.

Die Optik ist unscharf. Mir ist bewusst, dass die PS4 quasi drei Bilder rendern muss (zwei für die Brille und eines für den TV) und man darum die Auflösung der Spiele reduzieren muss, um eine flüssige Darstellung zu gewährleisten. Dies führt aber zu einer recht pixeligen und unscharfen Optik mit Treppchenbildung und Kantenflimmern. Dieser unschöne Effekt tritt speziell bei Objekten in der Ferne auf. Ich hoffe, dass die Einführung der PS4Pro im November 2016 hier zu einer Besserung führt.

Kabelsalat. Beim Auspacken, Aufbauen und Einrichten der Hardware habe ich mich über den Kabelsalat geärgert. Es sieht auch nicht besonders edel aus, wenn sich meterlange Kabel durch das Zimmer schlengeln. Ausserdem behinderten mich die Kabel ab und zu beim Spielen.

Zitternde Hände. Die Technik der 5 Jahre alten Move-Controller macht sich hier bemerkbar. Meine virtuellen Hände zittern, obwohl ich in der Realität meine Hände komplett still halte. Mit dem Standard-Controller tritt dieser Effekt nicht so stark auf.

Fazit

Wow, was für eine riesen Show! Wer noch nie mit Virtual Reality in Berührung gekommen ist wird Bauklötze staunen. Playstation VR hat durchaus das Potential Gaming wie wir es kennen zu revolutionieren. Es gibt allerdings noch sein paar Hürden, die es zu bewältigen gilt. Zum Einen ist das Bild recht unscharf und jeder HDTV-Glotze unterlegen. Zum Anderen müssen einige Kompromisse bei der Raumgestaltung eingegangen werden. Wer im Wohnzimmer spielt muss die Möbel umstellen und ärgert sich über den grossen Kabelsalat. Das Ding auf den Kopf zu schnallen ist eine weitere Herausforderung. Ein entspanntes Spielen ist das kaum. Zudem ist man konstant in Bewegung und hat vielleicht sogar mit Schwindelgefühlen oder Übelkeit zu kämpfen. Der absolut beeindruckende Wow-Effekt und das neuartige Spielgefühl entschädigen aber für alle diese Strapazen. Ich hab mir jedenfalls gleich alle Spiele und Demos im Store runtergeladen, weil ich einfach nicht genug kriegen konnte. Schlussendlich sind da aber nur sehr wenige, richtige Spiele mit dabei. Die meisten sind "bessere Demos". Ob sich PSVR durchsetzt hängt nicht zuletzt an einem guten und konstanten Spieleangebot. Aus technischer Sicht ist aber auf jeden Fall ein gutes Fundament gelegt, auch wenn noch Luft nach oben vorhanden ist. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was da noch alles auf uns zu kommt!

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