Review Gears of War 4

Dank Entwickler Epic Games wurde die Gears of War Reihe zum gefeierten Erfolg und neben Halo quasi zum Vorzeige-Shooter für die Xbox 360 Konsole. Nach drei Hauptspielen, einem Ableger und einem Remake steht nun das nunmehr fünfte Gears-Spiel ins Haus, diesmal aus der Schmiede von Entwickler The Coalition. Microsoft spricht hier vom 'ambitioniertesten Gears of War, das je entwickelt wurde'. Ob das wohl stimmt?

Die fiesen Locust sind besiegt, die Bedrohung der garstigen Lambent abgewendet und die Pendulum Wars liegen hinter uns. Held Marcus Fenix befindet sich im wohlverdienten Ruhestand und doch ist der Krieg auf dem Planeten Sera noch lange nicht vorbei. Eine neue Bedrohung - diesmal aus den eigenen Reihen in Form machthungriger Befehlshaber der KOR-Armee - führt zu weiteren, bewaffneten Konflikten, die wir mit einer ganz neuen, jüngeren Helden-Riege beilegen sollen. Trotz dieser Ausgangslage dürfen wir an einigen Stellen ein Wiedersehen mit alten Bekannten feiern. So schlüpfen wir in einer Prologue-Mission z.B. in die Kampfstiefel von Domenico 'Dom' Santiago und erledigen sogar den ein oder anderen Corpser und Brumak. Ein toller Auftakt und eine gute Überleitung zum neuen 4er Team, das von James Dominic 'JD' Fenix angeführt wird, dem Sohn von Marcus Fenix und Anya Stroud. Ihm zur Seite stehen sein bester Freund Delmont 'Del' Walker und die hübsche Kait Diaz. Da auch der 'Papa' im späteren Verlauf der Story zum Team stösst - was zu vielen lustigen Vater-Sohn-Momenten und verbalen Auseinandersetzungen führt - ist für Unterhaltung gesorgt. Dies wiegt das Defizit in Sachen Storytelling im allgemein wieder auf, denn die Geschichte an sich ist äusserst konfus und verwirrend. Da können wohl nur noch die härtesten Gears-Fans mithalten. 

Keine Experimente werden beim Level-Design und dem grundlegenden Gameplay gemacht. Das hier ist "Gears" wie wir es kennen und lieben. Noch immer laufen wir durch schlauchartige Gegenden, suchen Deckung hinter Autos, Wänden und Müllcontainern, zersägen Gegner und drücken ab und zu einen Knopf um Türen zu öffnen oder Maschinen in Gang zu setzen. Das macht trotz einer gewissen Monotonie und Einfallslosigkeit glücklicherweise immer noch Spass, ich hätte mir trotzdem etwas mehr Mut zu Neuem gewünscht. Auch das äusserst abruppte Ende der Kampagne mit massivem Cliffhanger ist unschön und hätte so nicht sein müssen. Insgesamt geht Gears of War 4 absolut keine Risiko ein und bringt die Serie in keiner Weise weiter, abgesehen von der Grafik.

Die Story hat ihre Schwächen, aber viel wichtiger als eine tolle Story ist bei Shootern doch sowieso etwas ganz anderes, nämlich das Gameplay, die Grafik oder ein umfassender Multiplayer- und KoOp-Modus. Hier gibt sich das neu geformte Microsoft-Studio "The Coaltion" keine Blösse. Die Steuerung flutscht, optisch wird ein wahres Feuerwerk abgefackelt und in Sachen KoOp- und Multiplayer war und ist die Gears-Reihe ohnehin ein Vorzeige-Spiel mit massig Inhalten. Schade nur, dass wir die Kampagne dieses mal nicht mehr zu viert, sondern nur noch zu zweit angehen dürfen (online und Splitscreen).

Gerade grafisch weiss Gears of War 4 vollends zu überzeugen, wurde es doch von Grund auf für die neue Unreal Engine 4 entwickelt. Die Konsolen-Version sieht nicht zuletzt dank HDR atemberaubend gut aus. Auf der Xbox One ist Gears of War 4 sicherlich das grafisch schönste Spiel to-date und ein Paradebeispiel für das, was die Konsole zu leisten vermag. Wer allerdings einen Windows 10 PC mit aktueller Hardware besitzt bekommt dank Xbox Play Anywhere eine noch bessere Framerate, mehr Tiefenschärfe und insgesamt hübschere Grafik-Effekte (muss im Gegenzug aber auf HDR verzichten). Toll in diesem Zusammenhang ist, dass Konsolen- und PC-Spieler miteinander spielen dürfen. Crossplay funktioniert allerdings nur im Story- und Horde-Modus, sowie in privaten VS-Matches. Der öffentliche Mulitplayer ist davon ausgeschlossen. Das ist gewollt und gut so, denn wie wir alle wissen ist der Vorteil einer Maus und Tastatur im kompetitiven Bereich nicht von der Hand zu weisen.

Apropos Multiplayer: Obwohl wir zum Zeitpunkt dieses Reviews nur auf speziellen Presse-Servern und in privaten Sessions spielen konnten, war die Online-Erfahrung über Xbox Live auf gewohnt hohem Niveau. Die Verbindung war stets stabil, Matches wurden schnell gestartet und Lags gab es so gut wie keine. Im Vergleich zur Beta wurde die Grafik noch einmal verbessert (der Multiplayer-Modus läuft im Gegensatz zur Kampagne mit superflüssigen 60 Bildern pro Sekunde) und die Waffenbalance noch einmal optimiert. Es gibt neun neue Karten zum Launch, sowie das Remake der beliebten und bekannten Gridlock-Map. Die neue Dropshot-Waffe ist ein Biest und zwingt euch immer wieder aus der Deckung, was für ein neuartiges, schnelleres Spielgefühl sorgt. Ausserdem hält neben den Menschen und der Locust eine komplett neue Fraktion Einzug in den Multiplayer und diese bringt eine ganze Reihe neuer Waffen mit, die es auszuprobieren und zu meistern gilt. Da ist viel Fleisch am Knochen! Alle beliebten Spielmodi sind zurück; Warzone, Team Deathmatch, King of the Hill, Guardian, Dodge Ball und Arms Race findet man in der Standard-Playliste wieder, während die tiefgründigeren Modi wie Execution oder Escalation zur neuen eSports-Playlist gehören. Natürlich sind auch KI-Bots wieder mit von der Partie. Zudem gibt es ein umfassendes Matchmaking, dass die Spieler in die Skill-Klassen Bronze, Silber, Gold, Onyx und Diamant unterteilt und so für weniger Frust sorgt.

Erwähnen möchte ich auch den generalüberholten Horde 3.0 Modus. Dieser baut auf ein Klassen-System auf, welches die Rollen auf dem Schlachtfeld aufteilen soll. Da gibt es den Soldaten, den Scout, einen Heavy, einen Sniper und den Engineer. Grenzen in Sachen Waffenwahl oder Anzahl Klassen pro Match gibt es keine. Man darf also gerne ein 5er Team mit nur Scharfschützen bilden, hat dann aber vermutlich keine grosse Chance die 50 Gegner-Wellen und 5 Boss-Battles zu überstehen. Neu im Horde Modus ist der "Fabrikator", eine Art 3D Printer, der gegen entsprechende Bezahlung alles ausspuckt, was man so zur Verteidigung braucht; Geschütztürme, Barrieren, Waffenkisten und dergleichen. Wer stirbt, hinterlässt seine Hundemarke, welche von Kumpels eingesammelt und zum Fabrikator getragen werden muss, um den Gefallenen wieder ins Spiel zu holen. Respawns kosten immer mehr Geld, je öfter man das Zeitliche segnet. Geld bekommt man von getöteten Gegnern. Dieses sollte man möglichst schnell zum Fabrikator bringen und dort bunkern, denn wer stirbt verliert alles.

Neu in allen Multiplayer-Modi sind die sogenannten 'Cards', ein Equivalent zu den Supply-Drops von Call of Duty oder den Battlepacks von Battlefield. Diese Karten schalten Dinge wie Skins, Embleme oder Tarnfarben frei. Mittels spezieller Gear-Packs erhalten wir so im VS-Mode z.B. kurzzeitig doppelte Erfahrungspunkte oder einfach mehr Geld. Für den Horde-Modus gibt es ebenfalls spezielle Karten, die z.B. die Reparaturzeiten verkürzen oder die Kosten für alle Dinge aus dem Fabrikator schmälern. Elite-Packs schliesslich enthalten äusserst seltene Personalisierungs- oder Skill-Items. Card-Packs gibt es kostenlos mit steigenden Erfahrungspunkten, dürfen aber auch gegen echtes Geld gekauft werden. Grosses Lob gebührt der allgemeinen DLC-Philosophie von Gears of War 4, denn alle DLCs - die im monatlichen Takt erscheinen sollen - werden laut Microsoft kostenlos sein, wenn man sie über öffentliche Playlists spielt. Für private Matches müsst ihr den DLC dann zwar doch kaufen, allerdings muss nur eine Person in eurer Party über den DLC verfügen. Alle anderen Party-Member dürfen kostenlos darauf zugreifen.

Fazit

Gears of War 4 ist genau das, was man erwartet, nicht mehr und nicht weniger. Das ist einerseits gut, denn man fühlt sich sofort heimisch und vergrault keine treuen Fans. Andererseits hätte ich mir etwas mehr Mut zur Innovation gewünscht, sei es im Level-Design oder auch im Storytelling. Da ist einfach alles viel zu gleichförmig. Überraschungen oder grosse Aha-Momente gibt es keine und auch das Ending wäre verbesserungswürdig, da es den Spieler wieder einmal am 'Abgrund hängen lässt' und viel zu schnell kommt (ca. 6-8 Stunden dauert der Spass). Abgsehen davon ist Gears 4 ein Brett. Es bietet eine Story-Kampagne mit KoOp-Modus, spielt sich besser als seine Vorgänger und sieht phenomenal gut aus! Dazu gibt es einen gewohnt starken Multiplayer- und Horde 3.0 Modus für monatelangen Spielspass. Somit ist Gears of War 4 trotz einiger Defizite ein äusserst gelungenes Shooter-Paket, das man einfach haben muss!

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Spieler offline
2
Spieler online
10
Release
10/2016
Format
PAL
Genre
Action
Studio
The Coalition
Publisher
Microsoft Studios
Offizielle Webseite
Click to visit

Autor

Sascha Böhme

Award

Editors Choice Award

(G)net Score

85

 

Graphics
90
Sound
90
Gameplay
80
Umfang
88

(G)community Score

0

 

Graphics
0
Sound
0
Gameplay
0
Umfang
0

Positiv


  • Kampagne mit 24 Kapiteln
  • tolle Grafik
  • verbesserte Steuerung
  • Online- und Couch-KoOp
  • Multiplayer mit 60FPS...

Negativ


  • ...Kampagne mit 'nur' 30FPS
  • Schlauchlevels mit wenig Interaktionsmöglichkeiten
  • KI teilweise schwach
  • kein Mut zu Innovationen
  • keine 4-Spieler KoOp Kampagne mehr

Altersfreigabe


PEGI-18

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